Beschreibung des Brandes im königlich-baierischen großen Hof- und Nationaltheater
1
Noth ganz unter ihrem Wassernuße zu haben.
Diese so weislich ausgedachte Vorrichtung mußte von entschiedenem Nutzen seyn, wenn die Leute bey der Hand waren, um die Wechsel in dem Moment der Gefahr gleich loszuziehen zu können.
War aber dieser Moment übersehen, und hatte die Flamme der aufgezogenen Vorhänge das Dachgebälke des Bühnen-Hauses einmal ergriffen, so mußte durch die freye Oeffnung, welche sich unterhalb der Reserve befindet, auch das Dachgebälke des Logenhauses unrettbar entzündet werden. —
Allein man glaubt, daß bey alle dem doch noch Hülfe möglich gewesen wäre, wenn nur die Vorrichtung eines eisernen Vorhanges bey der Vollendung des Baues ihr Daseyn erhalten hätte, als wodurch man das brennende Bühnen-Haus von dem Logen-Hause hätte trennen, und letzteres auf diese Art von aller Gefahr hätte retten können.
Daß der mit einer so richtigen Beurtheilungskraft ausgerüstete Hr. v. Fischer niemals einen Vorschlag zur Realisirung eines solchen Vorhanges gemacht habe, ist öfternmäßig dargethan; und es ist noch eine große Frage, welcher bestimmte Nutzen, im Falle der Verwirklichung davon zu hoffen gewesen wäre.
Man berechne die Höhe und Breite des Prosceniums, und berechne den Flächeninhalt des Eisens, welches dazu erforderlich wäre, letzteres mag nun aus Schienen oder Blechplatten bestehen — man summiere das Gewicht dieses Eisenbedarfes, und des Gegengewichtes, welches zum Gegenzuge erforderlich ist — man suche an dem Proscenium den Ort aus, wo dieses Gegengewicht angebracht werden kann — man beantworte sich, ob es praktisabler seyn möge, einen solchen Vorhang zu rollen, oder gerade aufzuziehen, welche …