Erklärung der Kupferbeilage zu dem Stücke XLVIII., wovon der Kupferstich bereits beigelegt worden ist.
A. Das Haus Nro. 170. im Angerviertel auf dem Anger gleich neben dem Hebammgäßchen bestand ursprünglich aus 2 Häusern. Jenes, welches mit einem Garten in das Hebammgäßchen hineinging, gehörte zu einer Niedlischen Meßstiftung und wurde das Niedlerische Kaplanhaus genannt. Das Haus, welches die Fronte gegen den Anger machte, gehörte 1495 dem Metzger Georg Sterz; von diesem kam es im Jahre 1539 an Hanns Streicher, — dann 1583 an Christoph Turrmann, — 1603 an Hrn. Bernhard Partenhauser, fürstl. Durchl. Rath zu Ingolstadt, — 1619 an Sebast. Doll, Bürger und Metzger, — 1629 an Georg Assambauer, Kammer-Kanzley-Verwandten, — 1629 an Hrn. Wilhelm Kern, beyder Rechte Doctor, churfürstl. Hofgerichtsadvokaten, und des Stiftes Ebersberg Richter, — 1665 an Hrn. Paula Kern, detto, — im nämlichen Jahre an Hrn. Michael Dorfer, Bürger und Stadtzimmermeister, — 1700 an Andreas Geisl, Bürger und Melber, — 1731 an Veit Happach, Bürger und Melber, — 1763 an Joseph Pösl, Bürger und Melber, welcher auch das Niedlerische Kaplanhaus kaufte, — 1776 an Franz Xaveri Scheyer, Bürger und Melber; — dermal aber besitzt dessen Wittwe Theresl dieses Haus.
1. Das Haus ist weiß mit gelben Verzierungen, und gegen das Hebammgäßchen ist das Bild des heil. Florians angemalt. — Gegen den Anger zu sind die Bilder der heiligen Maria, dann des heiligen Josephs, Benno und Johannes von Nepomuk abgemalt. Darunter stehen folgende Verse:
„O Jungfrau! die du rein das reinste Lamm geboren,
Zur Hülfe der Sterblichen, und Zuflucht auserkoren,
Beschütze dieses Haus! Dein reinster Bräutigam,
St. Joseph, der vom Blut des Königs David kam,
Leg’ seine Vorbitt zu, und geb’, daß Ruh und Frieden,
Lieb’, Freundschaft, Einigkeit sey diesem Haus beschieden!
Johann von Nepomuk! du großer Wundermann,
Treib Unheil, Noth, Gefahr und Schade weit hinan!
St. Benno, den das Land als Schutzpatron verehrt,
Durch deinen Vorspruch sey uns Gottes Heil beschert.
Ihr Himmelsbürger, Ihr, legt Eure Gnade bey,
Daß dies ein Segen-Haus, und nicht des Fluches sey!“
(17 J. P. 59.)
2. Das Haus hat noch 10 Fenster, und 2 Thüren im Hebammgäßchen. Es hat einen kleinen Hof, Schöpfbrunnen, Ausguß und Reitraden, dann Keller.
3. Es wird bewohnt zu ebener Erde von der Bierwirths-Wittwe Baumgartner, dann von dem Laternen-Anzünder Grenauer und dem Tagwerker Steiger, endlich von dem Melbergehilfen Enzinger. — In der ersten Etage wohnt die Hausfrau; Hr. von Neuh, Kommerzienrath, dann der Spitalische Bediente Zindel. — In der zweyten Etage wohnt der Rechnungs-Commissär von der churfürstl. Landes-Direction Herr von Carl, dann Hr. von Roßler, churfürstl. Landes-Directions-Registrator, und der Kanzleyboth Urban. — In der dritten Etage wohnt die Kanzellisten-Wittwe Mad. Latour; Frau von Münster, Pflegers-Wittwe von Ottenburg; der pensionirte Hofraths-Kanzellist Hr.
… dessen Ehefrau eine geschworene Hebamme ist.
Rechnungs-Commissär von der Landes-Direction Hr. Schaller. — Hinten aus wohnen der Stadt-Musicus Erbinger, dann die pensionirte Trabanten-Wittwe Märklinn, und der pensionirte Kanzellist Schmid. — Ganz hinten wohnen die Köchin Catharina Geltnerin, welche schon 60 Jahre gedient hat, dann der Kammerdiener des Prälaten von Thierhaupten Gallmaier, die Tabakreiberin Hinterwegerin, und der Loderer-Gesell Roller.
3. In der untern Hälfte des Kupferstichs ist ein kleiner Wagen vorgestellt, in welchem die Metzger nach dem Schlachten Haut, Unschlitt, Eingeweide und die Füße der Ochsen nach Haus zu führen pflegen.
4. Merkwürdig ist der Ofen, welchen der Besitzer des vorerwähnten Hauses hat. Derselbe hat ein Bratrohr, und unten noch ein solches, welches ungleich größer ist, und mit eisernen Thüren verschlossen werden kann. — In diesem kann man alles kochen, und sollte etwas überlaufen, so ist ein eigener Zug vorhanden, den Dampf wegzunehmen, ohne daß er in das Zimmer kommt. — Der Rauch des Ofens heizt das obere Zimmer.