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Alte Ansichten aus München

Baumgartner-Polizei-Uebersicht von München - Kupferstich 14

Titel
Baumgartner-Polizei-Uebersicht von München - Kupferstich 14
Jahr
2026
Bildart
Kupferstich
Quelle Buch
Regnet - München in guter alter Zeit
Tags
Beschreibung

Erklärung der Kupferbeilagen.

Die gegenwärtigen Kupferstiche stellen die Häuser zogs Albert V. in Baiern, und Onkel des großen im Angerviertel, und zwar im Rosenthale Nro 119. Churfürsten Maximilian I. — Nach seinem 1608 und 120. vor. erfolgten Tode kaufte gedachter Maximilian I. dieses Haus von den herzogl. Ferdinandischen Kreditoren, und übergab es wieder Herzog Ferdinands Kindern, den Grafen von Wartenberg, — so kam es 1739 an Maria Ernestina Gräfin von Wartenberg, vermählt mit Herrn Joseph Xaveri Benno Maximilian Freyherrn von Haslang auf Hohentannern und Dißling, Erblandobersthofmeister in Ober- und Niederbaiern, churfürstl. Kämmerer, Hofrath, und Pfleger zu Kling, Commandeur des hohen St. Georgi-Ordens, dann Sr. Hoch…

A. Das Haus Nro. 119 gehört zu dem Hastingerschen Haus auf dem Rindermarkt, und ist ganz weiß herabgeputzt, so wie die daneben stehende Capella Regia ad sanctum Sebastianum.

  1. Dieses Haus gehörte ursprünglich Hrn. Bartlmä Schrent, — von diesem kam es sammt dem Garten gegenüber an Hrn. Jakob Fugger, — von diesem kaufte es zwischen 1580 und 1590 Herr Herzog Ferdinand, Pfalzgraf bey Rhein, und Herzog in Ober- und Niederbaiern, Sohn des regierenden Hoch. fürstl. Durchlaucht Herzog Theodors in Baiern, Bischofs zu Freysing und Regensburg, geheimen Konferenzraths und Oberstallmeisters, — von diesem kam es 1764 an Hrn. Maria Antoni Wollet, churfürstl. Hofrath, — 1786 an Niklas Praitenbacher, bürgerl. Bierbrauer, — 1793 an Johann Adam Probst, churfürstl. Hofstallungslisten, — und 1797 an Xaveri Haslinger, churfürstl. Obersthofmeisteramts-Cassier.
  1. Dieses Haus liegt am Stadtbache, der gegen den Färbergraben zugeht, worinn ein Wasserrad eingehängt ist, wodurch das Wasser in den gegenüberstehenden vormalig Dachmattischen Garten getrieben wird, hat 2 Höfe, einen Röhrbrunnen, Remisen, Holzlegen, Stallungen, Ausgüsse und Reitraden, und ist bey Tage offen, um gegen den Rindermarkt durchgehen zu können.
  2. Zu ebener Erde gegen das Rosenthal wohnt der Beneficiat zu St. Sebastian (welchen der Hauseigenthümer zu präsentiren hat) Benno von Sauer, — im ersten Stocke der bürgerl. Lebentischer und Fischer Martin Viber, — in der 2ten Etage Hr. Vogl, Stadt-Chirurgus beim churfürstl. Oberstallmeisterstabe, — in der dritten Etage Hr. v. Sieben, Regierungsrath von Landshut, — und in der 4ten Etage Hr. Kraber, Actuarius bey Hrn. Obersten von Riedl.
  3. Im Mittelstocke ist unten die Stallung, und es wohnt in der ersten Etage der churfürstl. Trabant Dempf, — und die Wittwe Maria Kausin, — in der 2ten Etage der bürgerl. Schuhmacher Jos. Kronsschnabel, — und in der dritten Etage der churfürstl. Hatschier Herr Hartl, und der Schuhflicker Wolf.

B. Das Haus Nro. 120. im Rosenthal ist weiß mit gelben Verzierungen, und gehörte

  1. im Jahre 1558 an Georg Ligsalt, — von diesem kam es 1580 an obigen Herrn Herzog Ferdinand, — 1611 an Se. herzogl. Durchlaucht Maximilian I., — darauf an den Doctor der Rechte Herrn Johann Balthasar, — 1616 an Herrn Mar Alletsheimer, — 1621 an Hrn. Franz Füll von Windach auf Greifingen, Grainershofen, und Hülsig, Herrn der Burg und Herrschaft Geventing Lands ob der Enns, Sr. kaiserl. Majestät Rath, — 1638 an Hrn. Georg Füll, Sr. churfürstl. Durchlaucht zu Köln und Herzog Albrechts in Baiern Rath und Mundschenk; — darauf an Hrn. Johann Paul Langenmantel auf Hurlach, — 1653 an Herrn Niklas Oppen, des Raths und Handelsmann, — darauf an Hrn. Franz Joseph Rothhaupt Freyherrn von Weissenstein auf Unterbuchen, Oberpöring, Alt- und Neuenpern, Rohr und Rußdorf, churfürstl. Kämmerer, Rath und Hauptpfleger zu Mattighofen, — 1690 kaufte dieses Haus Churfürst Max Emanuel, zu Errichtung einer Hautelisse-Fabrike (deren letzte Meister Santini und Schedville mit ausgezeichnetem Ruhme genannt werden), — bey dieser blieb es bis im Jahre 1799, wo es an Hrn. Joseph Ludwig Wolf, churfürstl. Landes-Directionsrath verkauft wurde, — von diesem kam es noch im nämlichen Jahre an Hrn. Vitus Fleckinger, Handelsmann, churfürstl. Wechsel- und Merkantil-Gerichtsassessor, dann freygewählten Stadtrath, — endlich 1801 an Herrn Franz Xaveri Ruederer, bürgerl. Handelsmann.
  2. Das Haus ist wie das Haslingerische Haus am Kanal gelegen, hat einen schönen Hof, Pumpbrunnen, Ausguß und Reitraden, und ist bey Tage zum Durchgehen gegen den Rindermarkt offen.
  3. Zu ebener Erde im Hofe wohnt der Hausmeister dieses Hauses Thom. Wallner; — in der ersten Etage der churfürstl. Hofrath und Landschafts-Konsulent Herr Christoph von Caspar, dann seine beiden Herrn Söhne Rey. von Caspar, churfürstl. Hofgerichts-Rath, und Xaver von Caspar, churfürstl. Regierungsrath von Landshut, dessen Talente das Vaterland, das blaue Blatt, mehrere nützliche Aufsätze, und gegenwärtig mehrere schöne Kriegslieder für baierische Soldaten zu verdanken hat. (Siehe das Baierische gelehrte Lexikon von Baiern.)

In der zweyten Etage dieses Hauses wohnt der churfürstl. Landcommissär Herr von Stich, welcher seiner Zeit mit dem churf. Oberstlieutenant Riedauster den Kordon gegen die ansteckenden Krankheiten in den baierischen Gebirgen organisiert, und vom Monat May bis Ende Oktobers dieses Jahrs die Polizei-Direction in München versehen hat; — dann Hr. Xav. Spannerberger, Buchhalter der churfürstl. Porzellan-Fabrike allhier, und Faktor der churfürstl. Eisen-Niederlage.

  1. Zu ebener Erde sind die schönsten Gewölber, welche München aufzuweisen hat, und welche an die von einer Societät betrieben werdende Kottun-Fabrike allhier zum Verkaufe ihrer Waaren vermiethet sind.
  2. sind. — Von der Fabrike selbst, welche auf dem Lehel liegt, bey einer andern Gelegenheit. Die Fabrikation daselbst steht unter Hrn. Alois Rheinwelsler.

    a. Diese Fabrike hat ihre Entstehung Churfürst Maximilian III. zu verdanken, der selbe unter der Regierung über hiesiger Kaufleute, Strauß und Sommer, 1746 errichten ließ. Es arbeiteten sonst immer 24 hiesige Webermeister für diese Fabrike, woraus jährlich 8 bis 10000 Stücke in das Waarenlager allhier abgeliefert wurden. (Siehe die Beschreibung von München von Westenrieder S. 129, von Buchholzer S. 133, und von Hübner 2. Band S. 456.)

    b. Die gegenwärtigen Commissärs dieser Fabrike sind der churfürstl. wirkliche geheime Rath Hr. Reichsgraf v. Arco, und der churfürstl. geheime Rath und Landes-Directionsrath Hr. Nep. v. Stubenrauch.
    Der erste Buchhalter und Kassier im Verkaufsgwölbe ist Hr. Franz Xaveri Mayr, zweyter Buchhalter aber Hr. Johann Andreas Schmid.

    c. Die Fabrikaten, welche hier verfertigt werden, sind durchaus aus Kotten oder Baumwolle gewebt.
    Die gesponnene Baumwolle bezieht die Fabrike von der ihr gegenwärtig eigenthümlichen, vormals Brügelmannischen Baumwollspinnerei, welche im vormals militärischen Arbeitshause in der Au errichtet, aus dem Beschäftigungshause am Anger, weiters aus den Zuchthäusern zu München und Burghausen, dann von mehreren Privaten, welchen diese gemeinnützige Fabrike Arbeit gibt. — Diese gesponnene Wolle wird dann an die Weber zur Arbeit gegeben. Die von den Webern eingelieferten Stücke werden auf einem großen Beschauungstische in einem Seitengwölbe des Verkaufslagers zu München beschaut, untersucht, und nach ihrem verschiedenen Gehalte mit einem höheren Stempel bezeichnet. Sodann werden sie in die Fabrique auf dem Lehel zum Drucken gegeben, und kommen mit den haltbaren blühenden Farben als schöne nach verschiedenen geschmackvollen Dessins gedruckt wieder in das Verkaufsgwölbe zurück.

    d. Jedes Stück ist 14 baierische Ellen lang, dann ordinair und mittelgut 1 Elle breit, fein und ganz fein aber 9/8 breit. Von der ordinären Waare kostet das Stück im Durchschnitte 7 fl. 40 kr. — von der Mittelgattung 12 fl. 30 kr. — von der feinen Gattung 15 fl. — und endlich von der ganz feinen Gattung 18 fl.

     

    5. Die Fabrikation der Baumwolle geschieht in der vormals Brügelmannischen Fabrike folgendermaßen:

    a. Die erste Vorrichtung ist das Klopfen, wo man nämlich die rohe Baumwolle auf einem ausgespannten Reße, Haspel genannt, mit zwey Stäben klopft.

    b. Auf dieses wird die Wolle in einem mit einem Reße ausgespannten Troge mit Seifen-Wasser gebeizt.

    c. Hierauf wird selbe in einer versperrten Walze, welche mit Faden, die Band aber mit Wiederhaken versehen ist, zerrissen, daß sie ganz fein wird.
    Die Arbeiter in diesen drey Vorrichtungen verdienen sich täglich jeder 36 kr.

    d. Von da kommt die Wolle in die Stube, in welcher 11 Kratz- oder Kartätschen-Maschinen befindlich sind, welche vom Wasser getrieben werden, und wobey durchaus nur Kinder beschäftigt sind, deren jedes sich täglich 7 bis 10 kr. verdienen kann.

    e. Die aus der Kartätsche kommende Wollwickeln kommen nun in die Stube der groben Spinnerey, wo selbst 30 meistens von Kindern getriebene Räder stehen. Jedes Kind kann sich hier täglich 10 bis 15 kr. verdienen.

    f. Aus der groben Spinnerey kommen die aufgesponnenen Spulen in die feine Spinnerey, woselbst 21 Spinnmaschinen befindlich sind, von denen einige 100-, die meisten aber 72 Fäden spinnen. Wer hier arbeitet, kann sich des Tages 15 bis 20 kr. verdienen.

    g. In diesem Zimmer befinden sich auch die Haspeln, und auf jedem derselben kann man 30 Stränge haspeln. So oft es schneidet, wird untengebunden, und wenn es siebenmal geschnürt hat, wird der Strang abgenommen, und dieses heißt man einen Schneller.

    h. Diese Schneller kommen dann in das Sortir-Zimmer. Dort befindet sich ein Kasten, welcher in Fächer getheilt ist, und auf jedem Fache ist bemerkt, wie viel Schneller auf das baierische Pfund gehen. Um aber den Gehalt jedes Schnellers zu finden, wird derselbe auf einer geschickten Wageprobe, auf eine feine sinnreich erfundene Sortirwage gelegt, wo ein Zeiger den Grad des Schnellergehaltes anzeigt.

    i. In diesem Hause befindet sich auch eine Weberei von 13 Stühlen, worauf sich ein Arbeiter wöchentlich 3 fl. und darüber verdienen kann. Auch ist noch ein Stuhl in diesem Zimmer, der von Wasser getrieben wird, und 3 Stücke in gleicher Zeit verfertigt. Der Arbeiter daran verdient sich wöchentlich 4 fl.

    k. Hinten am Wasser ist die rothtürkische Garnfärberey, welche unter dem geschickten Meister Jacob Gonnan 4 Arbeiter hat, und wegen der Haltbarkeit der dort erzeugten Waaren allgemein gesucht wird.

    l. Diese Fabrike beschäftigt gegenwärtig 120 Menschen, hat zum Spinnmeister den Hrn. Beckart, und steht unter dem Verwalter Hr. Phil. Meyringer.

    6. In dem Verkaufslager der Fabrike am Rindermarkte wird nun diese gesponnene Baumwolle folgendermaßen verkauft:

    (Tabelle: Schneller aufs Pfund / Weiß / Türkisch Garn roth)
    (Werte mit fl. und kr., wie im Original dargestellt)

    7 → 1 fl. 40 kr. | 3 fl. 35 kr.
    8 → 1 fl. 45 kr. | 3 fl. 40 kr.
    9 → 1 fl. 50 kr. | 3 fl. 45 kr.
    10 → 1 fl. 55 kr. | 3 fl. 50 kr.
    11 → 2 fl. — | 3 fl. 55 kr.
    12 → 2 fl. 5 kr. | 4 fl. —
    13 → 2 fl. 10 kr. | 4 fl. 5 kr.
    14 → 2 fl. 20 kr. | 4 fl. 15 kr.
    15 → 2 fl. 25 kr. | 4 fl. 20 kr.
    16 → 2 fl. 30 kr. | 4 fl. 25 kr.
    17 → 2 fl. 35 kr. | 4 fl. 30 kr.
    18 → 2 fl. 55 kr. | 4 fl. 50 kr.
    19 → 3 fl. — | 4 fl. 55 kr.
    20 → 3 fl. 5 kr. | 5 fl. —
    21 → 3 fl. 10 kr. | 5 fl. 5 kr.
    22 → 3 fl. 15 kr. | 5 fl. 10 kr.
    23 → 3 fl. 20 kr. | 5 fl. 15 kr.
    24 → 3 fl. 30 kr. | 5 fl. 25 kr.
    25 → 3 fl. 40 kr. | 5 fl. 35 kr.

    a. Wer die weiße Baumwolle englisch gebleicht haben will, da gilt das Pfund allemal um 13 kr. mehr.

    b. Das Pfund lichtblau 36 kr., mittelblau 40 kr. und dunkelblau 45 kr. mehr.

    c. Die Aufschrift auf diesem Gewölbe lautet folgendermaßen:

     

    Magazin
    von allen Gattungen Kottun- und Zitzwaaren, dann allen Sorten englisch weiß gebleichten, und ächt türkisch roth gefärbten Baumwoll-Manufakturen.

     

    C. Es verdient hier aus der vaterländischen Geschichte bemerkt zu werden, zu welchem Zwecke Herzog Ferdinand von Baiern die Häuser, von welchen oben die Rede war, erkauft und erbaut hat.

    1. Dieser Herzog Ferdinand geboren im Jahre 1550 zu München, studierte mit seinem lieben Bruder, dem nachmaligen Herzog Wilhelm V., und dem nachmaligen Churfürsten zu Köln Ernst, auf der Universität zu Ingolstadt. — Dieser letztere Herzog Ernst wurde 1568 Bischof zu Freysing, 1573 Bischof zu Hildesheim, und 1580 Bischof zu Lüttich. — Nun geschah es im Jahre 1583, daß der damalige Churfürst von Köln Gebhard Truchsess von Waldburg, welcher sich heimlich zu seiner Gräfin von Mansfeld angetraut hatte, von Kaiser und Reich in die Reichsacht erklärt, und von dem Papste seiner geistlichen Würde entsetzt wurde. An dessen Stelle wurde Bischof Ernst zum Churfürsten und Erzbischof in Köln erwählt. In dem blutigen Kriege, der hierauf entstand, wollte Gebhard mit Hilfe Herzog Heinrichs von Braunschweig sich bey seinen Ländern behaupten. Er wurde aber vom Herzog Ferdinand (der seinem Bruder, dem neuen Churfürsten Ernst von Köln, beystand), aus dem Felde geschlagen, indem Herzog Ferdinand Bonn und Beelzeburg eroberte, und dem Herzog Heinrich von Braunschweig bey Burg zum Weichen gezwungen hatte. — Hierauf begab sich Herzog Ferdinand 1584 über Dautenhausen nach Baiern zurück, und ließ im Jahre 1588 zur Ehre des heil. Sebastianus die kleine Kirche erbauen, von der unten die Rede seyn wird.

    2. Um diese Zeit lernte Herzog Ferdinand die Maria Pettenbeckin, Tochter des herzogl. Wilhelmischen Kammerdiener Pettenbeck kennen. Diese Maria wollte nur denjenigen über den Altar in die Arme des liebenden Herzogs nehmen. Worauf sie denn der Herzog den 26. Sept. 1558 nach vorheriger Einwilligung seines Bruders und seiner Mutter ehelichte. Dabei wurde die Bedingung gesetzt, daß seine Nachkommen nur den Titel der Grafen v. Wartenberg, keineswegs aber den herzogl. baierischen Titel führen, mit einer jährlichen Pension von 6000

    Gülden und 2 Rittergütern zufrieden seyn, und erst dann zur baierischen Regierung gelangen sollen, wenn die männliche Nachkommenschaft des Herzogs Wilhelm des V. die Wilhelmische Linie genannt, ausgestorben würde. Letzteres kam aber nicht dazu, indem der letzte Graf von Wartenberg im Jahre 1726 auf der Ritterakademie zu Ettal an einem hitzigen Fieber erstickt ist. — Herzog Ferdinand lebte nach seiner Verheirathung mit Maria Pettenbeckin im Schlosse seiner Familie das Leben eines Privatmannes, und hatte sich zu diesem Ende eine eigene Burg auf dem Rindermarkte erbaut, welche aus dem jetzigen Roten-Nirthshause, Haslingerischen und Ruedererischen Hause bestand. Er hatte in dieser Burg die Bequemlichkeit, daß er das Volksgewühle auf dem ganzen Rindermarkte bis zur Peterskirche und bis zur Fürstenfeldergasse übersehen konnte, eine Communication mit dem Rosenthale hatte, und sehr bequem in seinen Hofgarten, wo jetzt der Wagenfabrikant Roth sich befindet, hinübergehen konnte.

    Sein Sommeraufenthalt war der ihm zum Theile eigenthümliche Neudeckergarten in der Au. (S. Burgkholzers Beschreibung von München S. 515.)

    3. Herzog Ferdinand erzeugte mit Maria Pettenbeckin 16 Kinder, und er muß viel Sorge für ihre Erziehung gehabt haben, wenn man liest, daß sein erstgeborner Sohn Franz Wilhelm Bischof zu Osnabrück, Minden, Verden und Regensburg, und endlich 1660 Kardinal geworden ist, und als churkölnischer Principal-Gesandter den westphälischen Friedensschlüsse beygewohnt hat. (S. Falckensteins Geschichte von Baiern 3. Theil S. 567 et seqq.)

     

    D. Die von Herzog Ferdinand erbaute Kapelle nächst dem Einlasse oder dem vormaligen Stifft St. Sebastiane gelegen, wurde den 12. März 1589 zu Ehren des heiligen Sebastianus und Nikolaus von Tolentin eingeweiht, und von dem Herzoge mit 4 Glocken versehen. Von außen ist eine Sonnenuhr angebracht.

    1. Der Hochaltar steht zwischen einer Verzierung von schwarzen Säulen, mit goldenem Laubwerke umwunden. Das Altarblatt des heiligen Sebastians und Nikolaus ist von Christoph Schwarz; ganz oben in einem Rondelle ist ein Bildniß, den himmlischen Vater vorstellend. Weiters hängen noch um den Hochaltar die Bilder des heiligen Hieronymus, und des Franziscus Xaverius, dann der heiligen Magdalena und Theresia herum. Über dem Hochaltar rechts und links befinden sich die Fenster der Oratorien.

    2. Der Altar auf der Epistelseite stellt den heiligen Johannes Evangelisten und Johannes den Täufer vor. — Dieses Altarblatt wird durch ein prächtiges, fein gefaßtes Marienbild bedeckt, welches eine Kopie des von Evangelist Lukas gemalten Marienbildes seyn soll, und im Jahre 1674 aus Moskau hierhergebracht wurde, wo es nach einem Einfalle der Türken unter der Soldateske gefunden wurde. Neben diesem Altare hängt das Bild Johannis Nepomuceni, welches eine Kopie von der Leiche dieses Heiligen seyn soll, wie solche aus der Moldau gezogen worden ist. — Daneben hängt eine sehr schön gemalte Abbildung dieser Kirche, und das Bild des heiligen Judas Thaddäus.

    3. Der Altar auf der Evangelienseite stellt das Bild der heiligen Katharina und Magdalena vor. — Davor steht eine große Kapsel mit heiligen Reliquien, und an der Nebenseite hängt ein Bild des heiligen Josephs.

    4. Gleich nächst dem Hochaltar ist das Bildniß Christi am Kreuze und Maria aus Holz geschnitzt. — Hinter diesem Bilde ist ein Stein eingemauert, worauf die Jahreszahl der Einweihung dieser Kirche eingegraben ist.

    5. Weiters befinden sich in dieser Kirche unten noch 8 Kästen mit Reliquien angefüllt, und die Stationen des Kreuzweges.

    6. Die Kirche ist oben mit einer schönen, auf Marmorsäulen ruhenden Gallerie umgeben. Im Hintergrunde auf dieser Gallerie befindet sich wieder ein Altar, dessen Altarblatt Christum im Grabe und gegen die Kirche zu den Kreuztragenden Christum vorstellt. — Doch ist dieses Altarblatt durch ein sehr großes hölzernes Bild, die heilige Maria vorstellend, verdeckt. Das Antependium dieses Altars stellt die heilige Margaretha von Kortona im Grabe liegend vor. Daneben befinden sich 2 verschlossene Oratorien, und dem Altare gegenüber oben an der Wand ein Bild der triumphierenden Maria in Lebensgröße.

    Diese Gallerie ist auf der einen Seite mit den Bildern der 4 heiligen Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, auf der andern Seite aber mit den Bildern der 4 Kirchenlehrer Gregorius, Ambrosius, Augustinus und Hieronymus in Lebensgröße 

    … von Stukadorarbeit geziert. — Weiters befinden sich vorne rechts und links an dieser Gallerie noch die Statuen des heiligen Nikolaus von Tolentino, und des heiligen Sebastians, über welchen sich das baierische und Wartenbergische Wappen rechts und links angeheftet befindet. Letzteres ist auf der Epistelseite der Gallerie, woselbst sich zugleich die Orgel befindet. Unter den dort hängenden Wartenbergischen Wappen ist die Inschrift:

    „Nach Eroberung des Königreichs Böhmen im Jahre 1620 den 6. Dezember zu München ist in Gott seliglich entschlafen der hoch und wohlgeborene Herr Herr Albrecht Graf von Wartenberg, Herr zu Waldt, R. kaiserl. Majestät Ferdinandi des andern, auch Ihro fürstl. Durchl. Maximilian Herzogs zu Baiern Kammerer und bestellter Oberstlieutenant über 500 Pferde, seines Alters 19 Jahre 7 Monate 3 Tage, dem Gott Gnad.“

     

    7. In Mitte des von Stukadorarbeit gegossenen, und in eisernen Stangen hangenden Kirchengerüstes hängt ein Kardinalshut herab. — Im Mittelfelde des Plafonds ist das baierische Wappen mit der Umschrift:

    „In Honorem S. S. Nicolai de Tolentino, Confess. et Sebastiani Martyris A. D.“
    MDLXXXVIII.

     

    8. An der Hinterseite der Kirche sind unten 17 altmodische hölzerne Kirchenstühle, welche sehr bequem sind, und worin man, wenn man das Sitzbrett aufhebt, stehen kann. — In der Mitte dieser Hinterseite ist das Bildniß des Herzogs Ferdinand in Lebensgröße in Bronze gegossen, und rechts und links sind folgende Inschriften gleichfalls in Bronze.

    a. Rechts neben dem Herzoge ist eine Erztafel, welche oben mit dem baierischen Wappen und Herzogenhut geziert ist. An der Seite befinden sich in der Einfassung oben eine Fürstenkrone, dann Reichsapfel und Zepter, und unten Sensen und Spaten als Zeichen des Todes und der Begräbniß, in der Mitte aber Todten-Knochen. Die Inschrift ist folgende:

    „Serenissimus Ferdinandus Primus Com. Pal. Rheni V. B. Dux. Alberto V. et Anna Austria Maximiliani II. Filia Natus Illustres Libero(s) Octonos Virilis, Totidemque Muliebris Stirpis Ex Maria Pettenbeckia Legitima Conjuge Susceptos In Ordinem Comit. Wartenbergicorum Redigi Passus Est Emeto Patri Electori Coloniensi Contra Truchsessium Suppetias Tulit Victorque Lauream Secum Monachium Retulit Vbi Anno Post Christum Natum CIↃCIVIII III. Cal. Febr. Pie Religioseque Obiit Vixit Annos VIII Supra LXX In Mausoleo Bojorum Apud D. V. Conditus Excepto Corde Quod In Hoc Sacello Servatur Reliquit In Vivis Illustres Comites Filios Quinque Totidemque Comites Filias Princeps Pius Magnanimus Fortis Munificus Modestus Aeternum Vivat.“

     

    b. Links neben dem Herzoge ist eine andere Erztafel, welche oben mit dem Pettenbeckischen Wappen geziert ist. An den Seitenlinien befinden sich in der Einfassung auf einer Seite Pfeil und Bogen und der Ring als das Zeichen der ehelichen Liebe, auf der andern Seite aber eine Dornenkrone, als das Zeichen der Leiden hienieden, und die brennende Erde, als das Zeichen, wie vergänglich alles sey; — endlich wieder Todten-Knochen, als das Zeichen der Verwesung, und aller zeitlichen Herrlichkeit.

    Die Inschrift dieser Erztafel ist folgende:

    „Maria Pettenbeckia Monachii Nobilibus Parentibus Anno CIↃCIVLXXIV Feliciter Nata Et Ab Serenissimo Principe Ferdinando Primo Com. Pal. Rheni V. B. Duce In Thorium Legitimum Legitime Adcita Multisque Casibus Jactata Addicta Post Mortem Serenissimi Conjugis Ex Miserum Vitium Superstites Religiosum Cultum Assumptura Sed Fatis Occupata Ad Beatiorum Vitam Emigravit Monachii In Die Nonas Decembris A. P. C. Natum CIↃCICXIX Praemisit Ad Superos Liberos Virilis Stirpis Ternos Totidemque Muliebris Reliquit Superstites Ex Se Natos Illustres Comites Quinque Illustresque Comites Virgines Totidem Utramque Fortunam Experta Major Utraque Adversa.“

    Constantes. Secundam. Modeste. Tulit. Digna. Coelo. Quod. Semper. Affectavit.“

    9. Der über der Gruft gelegene Grabstein, welcher mit dem Wartenbergischen Wappen, und einer Inschrift von Bronze versehen ist, wurde an der Epistelseite der Kirche aufgestellt.

    Die Inschrift lautet folgendermaßen:

    „Dis Manibus Sacrum. Serenissimus Princeps Ferdinandus I. Comes Pal. Rheni V. B. Dux. Pius. Hujus Pie Aedis Conditor. Hoc In Hypogeo Condiditorium Optimae Conjugi Charissimae Liberis Comitibus De Wartenberg Indeq. Nascenturis Anno Post Receptionem A. CPO. Orbem CIↃCLXXXIX F. C. Hospes Affunde Porem Ex Oculis Et Undis Quibus Olim Ipse Inundaris.“

     

    10. In dieser Kirche werden folgende Gottesdienste gehalten:

    a. Täglich Morgens Sommerzeit 7 Uhr, und Winterszeit halb 8 Uhr die heilige Messe, Abends um halb 4 Uhr aber der gestiftete Rosenkranz.

    b. Jeden Sonntag Morgens um 8 Uhr eine heilige Messe für die Kongregation der Lehrjungen, und nach dieser eine Christenlehre für die anwesenden Lehrjungen durch den Religionslehrer dieser Kongregation. Das Titularfest dieser Kongregation ist jährlich zu Lichtmessen.

    c. Das Fest des heiligen Sebastians an dem von der Regierung vorgeschriebenen Tage nebst der Octav.

    d. Am Sonntage vor Mathias und Matthäus ein feierliches Hochamt.

    e. Am Josephs-Tage eine musikalische Litanei.

    f. Zu der Anlaß-Octav wird während der Messe und während dem Rosenkranze das Sanctissimum ausgesetzt.

    g. Die Kirchweihe ist am Sonntage Kantate nach Ostern.

    II. Die Kirche hat eine geräumige und bequeme Sakristey, worin ein altes, aus Holz geschnitztes Bild, die 12 Apostel vorstellend, sehenswert ist. Küster daselbst ist Carl Romann.