Beschreibung des Blattes L.
Dieses Blatt stellt den Bürgersaal in der Neuhaufergasse vor.
A. Der Platz, auf dem dieser Saal gebaut ist, bestand ursprünglich aus 3 Häusern.
(a) Das erste Haus gehörte ursprünglich im Jahre 1579 dem Uhrmacher Hanns Christoph,
von diesem kam es 1530 an Joh. Albrecht, der Kronen Doctor, — 1595 an Herzog Wilhelm in Baiern, — im nämlichen Jahre an Caspar Burkhard, der Medicin Doctor, fürstl. Stadt Physicus und Pfleger zu Miesing, und dessen Kinder, — 1607 an Georg Conrad Freyh. von Preysing, und dessen Kinder, — etc.
churfürstl. Kämmerey, Rath, und Pfleger zu Stadtamhof, und dessen Familie, — 1709 wurde es von der bürgerlichen Congregation erkauft.
(b) Das zweyte Haus gehörte 1515 dem Schlosser Andree Wolf, — von diesem kam es 1573 an Nicolaus Wolf, detto, — 1588 an Veit Wolf, detto, — 1629 an Georg Fischer, Maler, — 1637 an Thomas Fischer, detto, — 1647 an Balthasar Aicher, Uhrmacher und Büchsenrichter, in der Folge Futtermeister Herzog Albrechts in Baiern, — 1703 an Johann Christoph Biedermann, J. U. L. und churfürstl. Hofgerichts-Advocaten allhier, — 1710 an die bürgerl. Congregation.
(c) Das dritte Haus gehörte 1467 dem Goldschmied Leonhard Hurnhammer, — von diesem kam es 1553 an Friedrich Braun, Hufschmied, — 1591 an Georg Schidhel, Brandweiner, — 1599 an Christoph Klammer, Maler, — 1604 an Balthasar Lauß, Schäffler, — 1605 an Wolfgang Perkhammer, Lederer, — 1628 an Wolfgang Perkhammer, Lederer, — 1640 an die Priesterschafft allhier, — 1647 an Christoph Kreitmaier, Bürger und Wagner, — 1647 an Sebastian Zurch, Herzog Alberts in Baiern Bereiter, — 1673 an Johann Georg Lederer, churfürstl. Hofmusikus, — 1688 an obigen Johann Christoph Biedermann, — und 1710 an die bürgerliche Congregation.
B. Ursprünglich war die Congregation der Bürger allhier seit 1579 mit der lateinischen Congregation vereinigt, im Jahre 1710 aber wurde sie von dieser lateinischen Congregation getrennt, und aus obigen drey Häusern der gegenwärtig stehende bürgerliche Congregationssaal:
(a) mit einem Kostenaufwande von 60000 fl. erbaut. Der Bau wurde dergestalt geführt, daß der Saal selbst in der Höhe, rechts und links freisteht, so daß das Licht von allen Seiten in denselben eindringen kann. — Unter dem Saale befinden sich drey der schönsten Gewölber, und der Zugang auf dem Saale ist wohl der einzige in der Stadt, indem derselbe keineswegs auf den beyden Seitenmauern ruht, sondern, weil er aus einem Gerüste in Holz gemacht worden ist, auf einem eigenen über dem Plafond gezogenen Rost befestigt werden mußte.
(b) Hinter dem Saale befindet sich ein kleiner Garten, und eine Holzlage, und das Haus daneben, welches zu der bürgerl. Congregation selbst gehört, hat einen Hof, einen Rohrbrunnen, Ausguß und Retiraden. — Daselbst wohnen vornehmlich zu ebener Erde die Kerzlerin Fischerin vom Herzogstalle. Im ersten Stocke wohnt der Priester Herr Innocenz Mangraz als Präses der Congregation, und der Priester Herr Schilling als Capellan auf der andern Seite. Den zweyten Stock bewohnt der churfürstl. Leibjäger Pöschliederl, und im dritten Stock wohnt die verwittwete Landschafts-Sekretärin Drettlin. — Im Hofe wohnt die Bierbrauerin und Wirthin Juliana Seyrin. — Hinten wohnen der Bürgerliche Schneidermeister Xaver Ristl, der alte Sattler Langini, und in der zweyten Etage der Stadtmusikus Roller.
C. Das Aeussere des Bürgersaales ist in dem anliegenden Kupferstich dargestellt. Die Facade hat ein schönes Portal, über welchem eine knieende Maria mit dem Kinde in Lebensgröße, und über ihr ein Stern angebracht ist. — Ganz oben deckt eine schöne Galerie mit vier Pyramiden, über welchen Herzen schweben, den Abschluß. In Mitte dieser Galerie ist die Glocke angebracht. — Alle Säulen und Vorsprünge der Facaden sind roth, und der Grund ist weiß. — Mitten durch läuft die Inschrift: Devoti Filii MDCCC Monac. Anno MDCCX. Vor dem Gange ist ein eisernes Gitter.
D. So wie man eintritt, zeigt sich:
(a) von innen ein neues Portal, welches zu dem Gewölbe unter dem Saale führt, über welchem Portale die Inschrift steht: Memento congregationis tuae, quam possedisti ab initio. — Das Gewölbe, in welches man durch diese Thüre kommt, diente seiner Zeit dazu, in der Charwoche das heilige Grab vorzustellen, dessen Dunkel mit vielen Lampen erleuchtet wurde.
(b) Sechs und links geht eine breite geräumige Stiege hinauf, und der Plafond dieser Stiege ist mit folgenden gemalten Sinnbildern geziert:
c. Die Hinterwand, an welcher die Stiege hinauf geht, ist geziert:
welche in großem Triumphe in eine Stadt eingeführt werden.
2. Unter diesen hängen etliche Tafeln mit folgenden Inschriften:
„Ill. Familia L. L. B. B. de Lerchenfeld aream justo praetio dedit. —
Sodalitas D. D. dum et civium monacensium a fundamentis erexit Ann. MDCCX.“
(d) An jedem Ruhepunkte der beyden Stiegen ist ein Bild Mariä vorgestellt, welches mit der Inschrift:
„Sodales mei!“ ihren Mantel ausbreitet, um die Sodalen ihres Schutzes zu versichern. In den Händen dieser Mantel sind einige Sodalen, und die den Zerstörenden durch ihr Gebeth zu verschaffende Linderung abmahnt. — Unter diesen Bildern ist ein schön ausgearbeiteter großer eichener Kasten, in welchem bewegliche schwarze Täfelchen mit der alphabetischen Namens-Verzeichnung sich der Sodalen befinden.
(e) An der linken Seitenwand wurde nach Aufhebung des Franziskaner-Klosters allhier ein Grabstein befestiget, welcher fünf die Gebeine des Herrn Andreas Reichsfreiherrn von Prailom enthält, welcher mit M. Magdalena Johanna geb. v. Maralt vermählet war. Er war des Kaisers Karl VII. und des Churfürsten Max Joseph II. wirklicher Rath, Konferenzminister, geh. Staatskanzler und Oberstlehenpropst, und starb 1757 im 69. Jahre. (Er war der Urheber des unten schon einmal erwähnten Liebesbundes.)
E. So wie man auf den Saal selbst hinaufkommt, welcher 160 Fuß lang, 49 breit und über 46 hoch ist, zeigt sich:
(a) ein 110 Fuß langer und 37 breiter, lediglich auf den Seitenwänden freistehender, oben auf Säulen ruhender Saal, welcher Mariens Himmelfahrt vorstellt, und von Martin Knoller im Jahre 1775 in Fresco prächtig gemalt worden ist. Das Gemälde ist in 3 Gruppen vertheilt. Oben ist eine Glorie der ersten Väter des Bundes, und musizierende Engel, aus welcher Christus seiner geliebten Mutter entgegen eilt; unten die staunenden Apostel am leeren Grabmale; in der Mitte schwebt im Triumphe Maria von Engeln getragen in herabschießenden Strahlen hinauf zwischen den Heiligen des neuen Bundes. — Man erzählt sich, daß Knoller, als die Malerey fertig und noch durch das Gerüst von unten bedeckt war, einen Theil derselben mit zusammengepappten Goldschlägerhäutchen überzogen habe, und als die Künstler mit Staunen diese dünnen Goldblättchen heruntergerissen haben, so ihnen die Schönheit dieses Werkes entgegen glänzte.
… (fortlaufende Beschreibung dieser Prachtmalerey in bairischen Beyträgen.)
(b) Zwischen den Tragsteinen dieses Gewölbes sind Christus, Päpste, Priester und Heilige grau in grau von dem noch lebenden Maler Herrn Franz Kitzinger vorgestellt, welche verschiedene Marienbilder verehren.
(c) Die Füllungen zwischen den obenstehenden 14 runden Fenstern sind mit Vasen und Genien geziert.
F. Der Saal hat neben den 3 großen Fenstern, welche von der Stirnseite der Neuhaufergasse her in den Saal leuchten, noch 16 große Fensteröffnungen im Saale selbst, von welchen 10 vom Hochaltare her offen sind und Licht geben, die 6 Fenster gegen den Chor zu aber verschlossen und mit nachfolgenden Malereyen von der Hand des Michael Günther geziert sind; nämlich, an bis zum Chore, wenn man eintritt, links angefangen:
a. Mariens unbefleckte Empfängniß mit der Ueberschrift: „Una.“
b. Maria Geburt mit der Ueberschrift: „Filia.“
c. Maria Opferung, wie sie sich dem Heiligthum weiht, mit der Ueberschrift: „Dilecta.“
d. Maria Heimsuchung mit der Ueberschrift: „Amica.“
e. Maria Lichtmessen mit der Ueberschrift: „Pulchra.“
f. Die schmerzhafte Mutter unter dem Kreuze mit der Ueberschrift: „Nigra.“
Diese Fresco-Malereyen hätten mit Oelmalereyen von der Hand des oben bemerkten Fr. Kitzinger ausgewechselt werden sollen, wovon das Bild „Maria Lichtmessen“ vorstellend, bereits fertig ist, und viel versprochen hat.
G. Jedes dieser Fenster, so wie die Fenster der Oratorien, und die Füllungen, wo die Kästen der Orgel stehen, ist nachfolgendermaßen mit einem Sinnbilde geziert. — Von der Epistelseite angefangen:
H. Unter den Fenstern hängen auf der Evangelienseite angefangen nachfolgende lebenswürdige von Joachim Beich gemalte Landschaften aus Baiern, worunter jedes mit dem Maria Bilde, so wie mit dem Wappen des Stifters, der die Landschaft hat malen lassen, geziert ist. Diese sind:
I. Zwischen den Pfeilern hangen von der Epistelseite angefangen nachfolgende Wandlüster herum, welche in Form eines Schildes verfertigt, und meistens Copien guter Malereyen sind. Die Kerzen an diesen Wandlüstern werden jährlich am Dreifaltigkeitsfeste, nämlich am Titularfeste, angezündet. Diese sind:
K. Der Hochaltar dieses Saales ist:
(a) von dem Bildhauer Günther schön geschnitten. Oben im Frontispice Gott Vater, darunter der heil. Geist, und darunter ein von Holz in Basrelief geschnittener und von des Hofvergolders Ludwig Schön vergoldeter engelischer Grab aufrecht gestellt. Die beyden großen bloßen und vergoldeten Leuchter am Gitter sind von derselben Arbeit. Zu diesem Hochaltare gehören auch die silbernen Brustbilder des heil. Joachim, Joseph, Johannes Baptista und Evangelista, welche von dem berühmten Silber- und Goldarbeiter Kandler verfertigt sind, 4 heil. Häupter aus der Gesellschaft der heil. Ursula, die gefassten Leiber des heil. Florian und Marinus, und im älteren Untertheile der in Holz geschnitzte Leichnam des heil. Franciscus Xaverius nebst verschiedenen Ornatstücken aus dessen Geschichte.
(b) Über dem Hochaltare ist die Inschrift:
„Ecce ex hoc beatam me dicent omnes generationes.“
(c) Mit dem Leibe des heiligen Marinus hat es folgende Beschaffenheit. Bey dem unter Papst Benedict dem XIV. ausgehobenen großen Jubiläo begaben sich mehrere Mitglieder dieser bürgerlichen Congregation als Pilger nach Rom, wo sie sich mit anderen vereinigten, und unter dem Titel der großen deutschen marianischen Congregation den 20. März 1750 daselbst ihren Einzug hielten, worauf sie bey der Ausgrabung und Tafel von den ersten Personen an eine ausgezeichnete Art dienten wurden. Bey dem Abschiede erhielten sie vom Papste diesen heiligen Leib zum Geschenke, den sie hierauf den 15. August als an Maria Himmelfahrt in diese Kirche brachten. Diese Geschichte ist an der Stiege des Bürgersaales auf einer Pergamenttafel aufgezeichnet. Auf der Pergamenttafel stehen zwischen den Insignien der Pilgerschaft, als des Hutes, Stabes, Lederrocks, Kraxens, Gürtel und der böhischen Trinkflasche, und einigen darauf passenden Sprüchen die Namen dieser Wallfahrer. Diese waren die Hrn. Gabriel Gasterer, Caspar Balthasar Müller, detto, — Jakob Unger, detto, — Matthias Senn, detto, — Johann Angerer, Churf. Kammerdiener, — Georg Mielacher, Hofläufer bey Herrn vermutlicher, — Joseph Mich, — Christoph Baumgartner, — Johann Pfründt, — Valentin Staud, detto, — Bernhard Joseph Siera, Bürger und Kannengiesser, — Urban Ares, etc.
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…ger und Glastöbler, — Wolfgang Widmann, Bürger und Maler, — Josef Grolauer, Goldschmiedgeselle, — Valentin Rautenstrauch, Bürgersgeselle, — Andre Maier, Schmiedegeselle, und Joseph Kraißer, Kupferschmied, samt andern.
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L. Neben dem Hochaltare befinden sich zwey schöne Thüren, um in die Sacristey zu kommen. Ober denselben sind die Fenster des Oratoriums, und über diesen die Inschrift: Mariae virtutum et gratiarum.
Die beyden Maria Bilder ober den Thüren hält man für Copien nach Raphael. — An diesen Thüren stehen vier vergoldete hölzerne Statuen in Lebensgröße mit folgenden Inschriften:
St. Elisabeth Congata Virginis,
St. Joseph Sponsus Virginis,
St. Joachim P. Virginis,
St. Anna Mater Virginis.
An einem Fenster des Oratoriums wurde bey Einweihung des neuen Fahnen der bürgerl. Infanterie der ältere Fahne der letzteren festgemacht.
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M. Neben dem Hochaltare rechts und links sind die Stühle für den Magistrat dieser Congregation, über welchen die Fenster mit rothen Vorhängen überzogen sind, mit den eingestickten Namen dieser und Maria geziert sind. Vor dem Hochaltare selbst hängt eine schöne Lampe.
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N. Auf der Evangelienseite befindet sich ein Altar mit dem Kreuze Christi, und der unter ihm stehenden Maria, von dem Vater des gegenwärtigen Hofmalers Roman Boos verfertiget. — Daneben befinden sich zwey kniende Engel, deren einer ein Herz vor der Brust hält, und der andere ein Buch mit der Aufschrift hält: Memor esto congregationis tuae.
Der zweyte Engel hält in der einen Hand eine Weltkugel, und in der andern Hand sendet er einen Strahl Goldflammen aus. Daneben steht eine große Wachskerze mit dem Bilde Johannis des Täufers geziert, unter welcher eine Grabtafel angebracht ist. — Dieser Altar gehörte dem im Jahre 1743 unter Churfürst Carl Albert nachmaligen Kaiser errichteten Liebesbunde, und stand vorher in der dritten der Franziskaner Kirche, von welcher durch vorgehende Dominikaner P. Bürgel, Bürgerlicher Joseph Ortner hierher versetzt worden ist. — Vor diesem Altare ist alle Freytage eine Messe und Andacht abzuhalten; die freywilligen Beiträge, welche zu diesem Liebesbunde gehören, werden zur Unterstützung verwaister Kinder, Lehrjungen und Armen verwendet. — Der Fond ist gegenwärtig dem hiesigen Armeninstitute einverleibt worden.
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O. Diesem Altare gegenüber auf der Epistelseite ist ein zweyter Altar, den heiligen Joseph mit dem Kinde vorstellend, welcher unter einem Baume steht, und von zwey knienden Engeln verehrt wird. Neben diesem Altare befinden sich zwey große Kerzen. Auf einer ist Jesus als Kind, auf der andern Maria gemalt, haben sie die Aufschrift: „Sancta Maria ora pro nobis“ und „Sancte Joseph ora pro nobis“. Dieser Altar gehört den Josephsbrüdern, welche sonst in der Bäckermeisterlichen ihre Andachten hatten, und alle Monate zwey Messen, eine für die Lebendigen und eine für die abgestorbenen Brüder lesen lassen; nicht weniger werden bey dem Ableben eines Mitbruders 3 Messen für ihn gelesen.
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P. Im Hintergrunde dieses Saales ist ein geräumiger Musikchor angebracht, welcher von 4 großen Säulen getragen wird. Dieser Chor ist mit Inschriften: Pulchra — ut Luna — Electa — ut Sol geziert. Auf der Wölbung des Chors steht das Wort Voces.
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Q. Auf dem Saale befinden sich weiters eine Sammlung von 2 Beichtstühlen, 2 Weihbrunnen von Marmor, und 2 Sammlungshäuschen mit der Inschrift:
„Mildreiche Beysteuer für Erneuerung des bürgerlichen Congregationssaales.“
Dann 2 Sammlungshäuschen für das Armeninstitut. — Weiters hangen daran 2 schöne Medaillons, wovon das eine das Profil des Papstes Pius VI. vorstellt, und das andere Medaillon die Umschrift hat:
„Pius VI. war der erste der Päpste nach München, und in diesem Bürgersaale den 15. May 1782.“
Diese beyden Medaillons sind mit den Sinnbildern der dreifachen Krone, des päpstlichen Stabes, des Palmzweiges, und der Schlüssel Petri geziert.
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R. Zu diesem Saale gehören noch 6 Passionsbilder, von Joseph und Bildhauerarbeit in Lebensgröße, welche sonst bey der Charfreytagsprozession mitgetragen worden sind. Diese stellen vor:
Diese von Künstlern sehr berühmten Figuren sind von Greif, einem Schüler des geschwollenen Albrechts.
S. Auf diesem Bürgersaale ist täglich Morgens um 6 Uhr Messe. Alle Sonntage ist Morgens um 8 Uhr eine Messe und Christenlehre für die Lehrjungen.
T. Das Titularfest der Congregation (wo die Formeln erneuert werden) ist am Dreifaltigkeitssonntage, das Patronatium, und die Verlobung der Jungfrauen am Mariä Himmelfahrtsfeste, und die Kirchweihe am vierten Sonntage nach Ostern. Unter die Glieder der Congregation wird jährlich eine geordnete Nachricht ausgetheilt, an welchen Tagen die Aufnahmen stattfinden.
…der neuen Mitglieder, die Versammlungen und Predigten, die Rosenkränze, dann die Ausstellung der Monatsheiligen gehalten werden. — Gegenwärtig ist der Präfekt der Congregation Herr Joseph Hey, als Faktor des churfürstlichen Wechselgerichts erster Instanz, des Raths und Handelsmann. Assistenter sind Hr. Johann Georg v. Gottner, Bürgermeister von München, und Herr Joseph Xaver, des Raths und Kupferstecher. Uebrigens hat die Congregation mehrere Confraternitäten, 2 Vorleser, einen Chorregenten und 2 Cantoren.
T. Dieser Magistrat, so wie das Verzeichnis der verstorbenen Sodalen wird jährlich gedruckt, und unter die Sodalen ausgetheilt; so wie dieselben auch jährlich zum Neujahrsfeste eine von dem Professor verfertigte gedruckte geistliche Abhandlung erhalten, welche man Xenium nennt. Für das Jahr 1805 war dieses die „Geschichte des Lebens, der Lehre und des Leidens Jesu Christi des wahren Sohnes Gottes etc.“
Die Monatsheiligen, welche monatlich unter die Mitglieder vertheilt werden, enthalten jedesmal die Lebensgeschichte eines Heiligen, wovon auf der Vorderseite eine Szene in Kupfer gestochen mit einem darauf gesetzten Lehrspruche zu sehen ist. Diese Monatsheiligen werden in alle deutschen Städte, wo sich bürgerliche Congregationen befinden, versendet.
Da die Menschen bekanntlich viel Sinn dafür haben, Bilder anzusehen und kleine Geschichten zu lesen, so konnten durch diese Monatsheiligen manche nützliche Ideen in den Menschen erweckt werden, wenn nach den ausgeführten Kupferplatten bessere wieder gewählt würden, und aus den Legenden der Heiligen solche Geschichten ausgewählt werden wollten, welche die praktische Ausübung der Lehren des Evangeliums in den verschiedenen Situationen des bürgerlichen Lebens ausdrückten.