Erklärung der Kupferbeilagen.
Gegenwärtiger Kupferstich stellt das Haus Nro. 137 ½ im Angerviertel im Rosenthale vor. Dieses Haus, ursprünglich ein Garten, gehörte Hrn. Bartlmä Schrent; — von diesem kam er an Hrn. Jakob Fugger, — von diesem kaufte ihn Herr Herzog Ferdinand von Baiern, und genoß darinn im Zirkel seiner Familie und seiner Kinder die Freuden des häuslichen Lebens. — Nach seinem 1608 erfolgten Tode kaufte Maximilian I., Herzog in Baiern und nachmaliger Churfürst diesen Garten von den herzogl. Ferdinandischen Creditoren für die herzogl. Ferdinandischen Kinder, die Grafen von Wartenberg. Bey dieser Familie blieb er bis zur letzten Besitzerinn aus dieser Familie Frau Ernestina vermählten Gräfin v. Haslang. — Von dieser kam er 1747 an Hrn. Johann Caspar Hepp, Bürger und Handelsmann, — und 1797 an Frau Maria Anna Bachmaier Handelsfrau, — von welcher ihn 1805 Martin Röth, Wagner und Kutschenfabrikant allhier erkauft, und im Ecke des Gartens gegen das Hebammgäßchen zu sich darinnen eine Wohnung erbaut hat.
1. Das Haus hat ein laufendes Wasser, Keller, Reitraden und alle übrigen häuslichen Bequemlichkeiten, vorne eine schöne Einfahrt, und gegen das Hebammgäßchen zu einen kleinen Ausgang.
2. Da dieser Garten auf oben beschriebene Art der Garten des Herzogs Ferdinand von Baiern gewesen ist, so sah man vor dessen Verkaufe an den gegenwärtigen Besitzer noch deutliche Spuren darinne, mit welcher Pracht derselbe gehalten gewesen sey. Im Ecke des Gartens gegen das Weinwirth Almerische Haus zu befand sich ein großer geräumiger Saal mit einem schönen Kabinette. In Mitte des Saales befand sich ein künstliches Grottenwerk mit 14 lebendigen Wassersprüngen, und die Seitenwände waren mit Gipsköpfen nach römischen Antiquen geziert. In einem andern Ecke des Gartens war zwischen den Weinreben eine Klause angebracht. — In Mitte und an allen Seiten des Gartens befanden sich noch sehr künstliche Wasserwerke.
3. Diesen geräumigen Garten hat nun der gegenwärtige Besitzer zur Betreibung seiner Kutschenfabrike umgeschaffen. In dieser Fabrike befinden sich
a) eine komplette Wagnerey zu Verfertigung aller Gattung von Staats-, Reise- und Kriegswägen.
b) Eine Schmiede und Schlosserey. In dieser Schmiede ist der Blasbalg so künstlich angebracht, daß er, wie in andern Schmieden, gar keinen Raum einnimmt, und gar nicht gesehen wird. Nebstdem ist die Vorrichtung in dieser Schmiede so, daß man das längste Eisen darinn regieren kann, ohne im geringsten gehindert zu seyn.
c) Eine kleine Sattlerei, um die in Holz und Eisen verfertigten Kutschen vollenden zu können.
d) Eine Lackirstube, worinn alle Lacke verfertigt werden können, um auch die schönsten Gala-Wägen herstellen zu können.
e) Eine Remise, worein 18 bis 20 Wägen gestellt werden können, und worinn sich immer einige vorräthige Wägen nach Auswahl zum Verkaufe befinden. Der Speicher darinn dient zur Holzremise.
4. Es ist keine Art von Staats- oder Reisewägen, welche man nicht, wenn man nur den Gedanken anzugeben weiß, auf eine solide und geschmackvolle Art mit allen Bequemlichkeiten hier verfertigen lassen kann, es mag nun englische, französische oder Wiener Mode u. dgl. seyn. Man sieht hier alle Gattungen von Vorspannschlitten, welche man bereit und hinaus schieben kann, von Magazins, kleinen Chatoullen, Waschen, Reisebetten und Kofferbehältnissen, welche ein Reisender nur immer wünschen kann.
5. Die untere Hälfte des Kupferstiches stellt ein sehr leichtes Hilfsmittel vor, wie man den Unglücken vorbeugen kann, sich Nachts an einer Wagendeichsel zu beschädigen. — Bekanntlich sollten zwar Nachts die Deichseln der Wägen, die nothwendigerweise vor den Häusern stehen bleiben müssen, aufgestellt, oder die Wägen selbst ineinander geschoben werden, um ein solches Unglück zu verhüten. Allein diese Vorschriften sind bey weitem nicht hinreichend, wenn man in Überlegung nimmt, daß man nicht von allen Wägen die Deichseln aufstellen kann, und daß oft ohne Verschulden des Gastwirthes oder Wagenbesitzers die ineinander geschobenen Wägen Nachts wieder auseinander gerissen werden, welches durch einen einzigen vorüberfahrenden oder anfahrenden Wagen geschehen kann.
Wenn nun Nachts die Laternen ausgehen, oder jemand bey einer Feuersgefahr oder schnell eintretender Krankheit eines Verwandten um Hilfe eilen will, so ist es leicht, an eine solche frey stehende Wagendeichsel anzulaufen, und sich, wie man Beweise hat, lebensgefährlich zu beschädigen. Ich glaube mit Hilfe des Kutschenfabrikanten Röth ein einfaches und wohlfeiles Mittel ersonnen zu haben, solchen Unglücken vorzubeugen.
Man läßt nämlich von dem Drechsler eine Scheibe aus hartem Holze verfertigen, welche etwas über 2 Zolle in der Dicke, und 12 Zolle im Durchmesser hat. Auf der Rückseite dieser Scheibe läßt man eine Öffnung eindrechseln, welche im Durchmesser eben so groß ist, daß der Kopf der Wagendeichsel darinn gesetzt werden kann. Doch darf diese Öffnung nicht durch die ganze Scheibe gehen, sondern sie muß vorne nicht durchgehöhlt, und ganz flach seyn. Neben dieser Öffnung rückwärts befestigt man ein Kettchen, jedoch so, daß die beyden Enden desselben frey herabhangen.
Wenn man nun in der Deichsel von dem Wagnagel eine längliche Öffnung abwärts durchmacht, so kann man die Scheibe vorne anstecken, dann einen Theil des Kettchens durch diese Öffnung vor dem Wagnagel durchstecken, unten an ein Glied des andern Kettchens fest einspannen, und zu Verhütung einer Entwendung ein kleines Schlößchen vorschlagen; und das Ganze ist geschehen. Sollte nun jemand aus Unvorsichtigkeit oder Eile an eine solche Scheibe anstoßen, so kann ihm daraus keine Beschädigung entstehen. Will man des andern Tages mit dem Wagen wegfahren, so kann man die Scheibe sehr leicht wieder herabnehmen, und unter den andern Gerätschaften des Wagens aufbewahren.