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Alte Ansichten aus München

Baumgartner-Polizei-Uebersicht von München - Kupferstich 38

Titel
Baumgartner-Polizei-Uebersicht von München - Kupferstich 38
Jahr
2026
Bildart
Kupferstich
Quelle Buch
Regnet - München in guter alter Zeit
Tags
Beschreibung

Erklärung der Kupferbeilage Nro. XLIX.

Dieser Kupferstich stellt die hier vollendete Churfürstl. Fürstengruft in der Michaelis Hofkirche vor. Diese Gruft ist ein geräumiges Viereck, in welches man auf sehr bequeme Weise durch oben angebrachte eiserne Gitter beleuchtete Stiegen von dem St. Ignatz- und Xaveri-Altar in dieser Kirche gelangen kann. — Die beiden eisernen Thüren, welche unten zur Gruft führen, stellen das baierische Wappen vor.

Das Gewölbe der Gruft wird von vier steinernen Säulen getragen, und durch ein rundes Stiegenlicht von oben beleuchtet. — In der Grundwand der Gruft ist ein ebenso einfacher als schön gearbeiteter Altar angebracht, worauf ein aus weißem Stein gearbeitetes Crucifix zwischen 4 Leuchtern und 4 Säulen von schwarzem Gypsmarmor steht. Das Antependium ist von ähnlichem Marmor, mit einem weißen Kreuze. Vor dem Altar hängt eine Lampe von Messing.

Unmittelbar diesem Altare gegenüber ist das Bild der Auferstehung Christi, als die Hoffnung eines besseren Lebens nach diesem zeitlichen Tode vorgestellt. — An der Wand der Epistelseite ist in der Mitte das churbaierische Wappen, und rechts und links der trauernde Genius von Baiern und Neuburg, an der Wand der Evangelienseite aber das pfalzbaierische Wappen, und rechts und links der trauernde Genius von der Rheinpfalz und Sulzbach abgebildet.

Wenn die Gruft erleuchtet wird, so geschieht dies durch acht schwarze Trauer-Vasen von Erz mit doppelten Lichtern, welche symmetrisch in der Gruft vertheilt sind, dann vier bronzierte Löwen von Erde, welche in den vier Ecken angebracht sind und Wachskerzen halten.

Neben dem Altare befinden sich rechts und links eine kleinere mit einem eisernen Gitter verschlossene und durch eine Trauerwage in der oberen Öffnung beleuchtete Gruft, in welcher die Leichen einiger älteren baierischen Herzoge liegen. — Die Thüren zu diesen kleineren Gruften correspondieren mit den Thüren des Einganges. — Die Wände von dem Altare und von dem Bilde der Auferstehung Christi sind jeder mit einem Steingitter eingefasst.

Die fürstlichen Särge, welche dort stehen, sind von Heidelberg hierher gebracht worden. — Die Namen der in diesen Särgen verwahrten Leichen sind in deutschen Tafeln an den Eingängen bemerkt.

Die Verherrlichung dieser Gruft wurde auf höchsten Befehl Sr. Churfürstl. Durchlaucht durch den churfürstl. Hofrath und Kammer-Kourier Hrn. Merrath v. Burghausen angeordnet, und macht dessen Geschmacke bey allen Sachkennern Ehre. — Die Zeichnung und Malerey des Ganzen ist von dem bürgerlichen Mahler Hrn. Otto Grädl, und das Gießen der prächtigen eisernen Gitter von dem bürgerlichen Zinngießer Hrn. Reitmann in Außenthale.

Die fürstlichen Leichen, welche in dieser Gruft ruhen, sind folgende:

A. In der kleineren Gruft an der Epistelseite:

1. Wilhelm V., Herzog in Baiern, Stifter dieser Kirche und des Kollegiums, geboren den 29. Sept. 1548, gestorben den 7. Febr. 1626.

Mit den Aufschriften:
(a) Serenissimus Guilielmus V. Dux Bavariae…
(b) ausführliche lateinische Inschrift (wie im Original)

2. Maximilian I., Sohn Wilhelms V.,
geboren den 17. April 1573, gestorben den 27. Sept. 1651.

3. Maximilian Philippus, Sohn Maximilians I.,
geboren den 30. Sept. 1638, gestorben den 20. März 1705.

Mit den Aufschriften:
(a) Serenissimus Maximilianus Philippus…
(b) ausführliche lateinische Inschrift

4. Febronia de la Tour,
geborne Herzoginn von Bouillon, Gemahlin Maximilian Philipps,
gestorben den 2. Juny 1706.

Mit der Aufschrift:
Serenissima Mauritia Febronia de la Tour…

B. In der kleineren Gruft an der Evangelienseite:

5. Renata, Herzoginn von Lothringen und Baar,
Gemahlin Wilhelms V., Stifterin der Kirche und des Kollegiums,
geboren 1545, gestorben 1602.

Mit den Aufschriften:
(a) Serenissima Renata…
(b) lateinische Inschrift

6. Elisabetha, Herzoginn von Lothringen und Baar,
Gemahlin Kurfürst Maximilians I.,
gestorben den 4. Jänner 1635.

C. Vor dem Altare liegt:

7. Maria Anna, Erzherzoginn von Österreich,
Tochter Kaiser Ferdinands II.,
Gemahlin Kurfürst Maximilians I.,
geboren 1610, gestorben den 25. Sept. 1665.

Mit ausführlicher lateinischer Grabinschrift.

8. Ferdinand Wilhelm, Sohn Herzog Albrechts V.,
gestorben den 30. Jänner 1608.
(NB: Dieser Sarg ist von Holz.)

9. Theresia Benedicta,

Tochter Kaiser Karl VII. und Maria Amalia,
geboren den 6. Dez. 1725, gestorben den 29. März 1743.

10. Theresia Emanuela,

Tochter Herzog Ferdinands in Baiern und Maria Anna von Neuburg,
geboren den 2. Juli 1723, gestorben den 27. März 1743.

 

Erklärung der Kupferbeilagen Nro. L. LI. LII.

Beschluß der Erklärung der Kupferbeilage Nro. XLIX.

D. Vor dem Bilde der Urstände liegen folgende Leichen:

 

11. In dem großen auf Löwenbratzen ruhenden und mit einem Churhute gezierten großen Sarge in der Mitte ruht:

Elisabetha Augusta, geborne Pfalzgräfin zu Sulzbach, Churfürstin zu Pfalzbayern etc.,
geboren den 17. Jänner 1721,
gestorben den 17. August 1794.

Mit der Aufschrift:

Heic
In Spem futurae Resurrectionis
depositum est Corpus
Elisabethae Aug. Com. Pal. Rheni,
Caroli Theod. S. R. I. Electoris per LIII annos conjugis,
Matris Patriae opt. Subditorum deliciae
Principis incomparabilis.
Nata XVII. Januar. MDCCXXI.
Quae Xenodochiis dotal, ord. S. Elisabethae Sacro
Aegenis in Subsidium fundato
Aede Sacra Oggersheim exstructa
XVII. Aug. MDCCXCIV
obiit.

 

12. Diesem zur Rechten in dem Sarge, welcher mit dem Herzogshute und Crucifixe geziert ist, ruht:

Joseph Carl Emmanuel, Pfalzgraf zu Sulzbach,
der Churfürstin Elisabetha Vater,
geboren den 2. November 1694,
gestorben den 18. July 1729.

Mit den Aufschriften:

Anno MDCCXCIV.
Dies Novembris Re et ordine secunda
Cum Vita
et josephi amabile et Caroli Terribile
Nomen dedit.
Carolum se probavit in Hungaria
Ubi bellicae Virtutis Testem et laudatorem habuit.

 

13. Dem großen Sarge zur Linken, in dem Sarge, welcher mit 2 abgebrochenen Kerzen geziert ist, ruht:

Elisabetha Augusta, Pfalzgräfin zu Sulzbach,
der Churfürstin Elisabetha Mutter,
geboren den 17. März 1693,
gestorben den 30. Jänner 1728.

Mit den Aufschriften:

Principem
Haec urna tenet
Et Virtute et Prole Foecundam
Elisabetham Augustam
Josephi Caroli
Comitis Palatino Solisbacensis etc.

 

Rechte Spalte (Inschriften)

Eugenium Subaudum
A quo uno laudari instar Triumphi est

Ut enim cordis dimidium
Amissam conjugem recipere
Josephus Carolus
Anno proxime sequenti Mortis Telum excipit,
ubi sacro secessu ad tantam Luctum
paulo ante se comparasset
Athleta Christianus
Requiescat in Pace.

 

Post
Copias Palatinas
Sponsam Josephus duxit Palatinam
Elisabetham Augustam Franciscam etc.
Regibus despondendam
Nisi Reginas dotis attulisset Palatinus
Sed heu Pignus tam nobile Mors rapit
Licet mox reddendum.

 

Quod Deus conjunxit
nec ipsa Mors separare potuit,
quando
Josephus Carolus Princeps hereditarius
Solisbacensis
XVIII Julii MDCCXXIX
Mortis Imperio paruit
vita immortale dignissimus.

Lectissima Conjugem
In Miseros omnes pie prodigam
Matrem.

Dum
XXX. Januarii MDCCXXVIII.
Novum Gaudium Prolem Masculam enititur
Coelo Matura
Una cum Prole a Morte rapitur.
Viator!
Quam Patria omnis Lacrymis prosequuta
Tu piis votis
Prosequare.

In vere
Lucem primum aspexit
XVII. Martii MDCCXIII.
ut floreret Felicius
Serenissimorum Parentum
Caroli Philippi Electoris Palatini etc. etc.
et
Ludovicae Charlottae Principis Radziviliae etc.
Summa
et
Sola Voluptas.

 

14. Neben diesem befindet sich ein auf Löwenbratzen ruhender sehr großer innerer Sarg, der mit dem Herzogshute, dem goldenen Vließe, einem Commandostabe und ausgezogenen Degen, dann einem Helme und Todtenkopfe geziert ist.
Hierin ruht der hochselige Vater unsers durchlauchtigsten Churfürsten:

Fridericus Michael, Prinz von Zweibrücken, Pfalzgraf bey Rhein, und Herzog in Baiern, commandirender General Reichs-Feldmarschall im siebenjährigen Kriege etc., geboren den 27. Februar 1724, gestorben den 15. August 1767.

Mit der Aufschrift:

Fridericus, Comes Palat. Rh. Dux Bav. Com.
Veld. Sponh. et Rappolt. etc. Natus XXVII. Febr.
MDCCXXIV. Ducta Maria Francisca Prin. Palat.
VI. Febr. A.D. Rom. Eccles. Reverfus et VIII. Dec.
MDCCXLVII. obiit XV. Aug. MDCCLXVII.
Reliquit Carolum, Amalia Augustam, Maria Anna et Maximilianum Filios, Saxoniae Liberator, Palatinae Domus immortale Decus,
Ad Rhenum contra Austriacos, ad Albim contra Boruss. fortiter pugnavit.
Dresdam Lipsiam Torgaviam Wittenbergam vindicavit.
Carolus Theodorus et El. Aug. Elect. Palat.
Agato et Affini suo defluctatissimo Fac. curavit.

 

15. In dem neuen mit einem Herzogshute und Orden gezierten Sarge auf der andern Seite ruht dessen Sohn, und der Bruder unsers durchlauchtigsten Churfürsten etc.

Carolus Augustus, Pfalzgraf bey Rhein, und regierender Herzog in Zweibrücken etc., geboren den 29. October 1746, gestorben den 1. April 1795.

Mit der Aufschrift:

Carolus Augustus, Comes Palatinus Rheni, Bavariae et Bipontini Dux, Natus XXIX. Octobris MDCCXLVI. Mortuus I. Aprilis MDCCXCV.

 

16. In dem kleinen Sarge vor diesem ruht:

Carolus Franciscus, Prinz von Sulzbach, der Churfürstin Elisabetha Bruder, geboren den 17. März 1718, gestorben den 31. März 1724.

Mit der Aufschrift:

Anno 1718 den 17. März
Natus est Serenissimus Princeps
Carolus Franciscus Philippus
Mortuus Anno 1724
den 31. März.

 

17. In dem andern kleinen Sarge ruht:

Carolus Philippus, Prinz von Sulzbach, der Churfürstin Elisabetha zweyter Bruder, geboren den 24. November 1725, gestorben den 6. May 1726.

Mit der Aufschrift:

Anno 1725 den 24. November
Natus est Serenissimus Princeps
Carolus Philippus Augustus
Mortuus 1726 den 6. May.

18. In dem kleinen Sarge zwischen diesen beyden ruht:

Clemens Augustus, des Prinzen Friederich Michael von Zweibrücken den 17. September 1749 zweytgeborner Sohn, gestorben im Julius 1750.