Stadtportal zur Münchner Stadtgeschichte
| Name | Jenny Utz (geb. Karpeles) |
|---|---|
| geboren | 24.12.1872 [Wien] |
| deportiert | 19.2.1941 |
| gestorben | 19.2.1941 [Ghetto Kielce] [ermordet] |
| Religion | Jüdisch |
| Opfergruppe | Juden |
| Beruf | Schauspielerin |
| Straße | Beethovenstraße 8 |
| Stadtbezirk | 8. Schwanthalerhöhe |
| Stadtbezirksteil | Schwanthalerhöhe |
| Art | Kein Vermerk vorhanden |
| Lat/Lng | 48.132593345152,11.556104313504 |
| Text | Herkunft und künstlerische Anfänge Jenny Karpeles wurde am 24. Dezember 1872 in eine jüdische Familie in Wien geboren. Ihr früher Werdegang war geprägt von dem Bestreben nach beruflicher und sozialer Emanzipation, was sich in ihrer Wahl der Schauspielausbildung manifestierte. In einer Ära, in der religiöse Zugehörigkeit oft ein Karrierehindernis darstellte, trat sie 1898 zum Protestantismus über – ein im jüdischen Großbürgertum und Künstlerklima jener Zeit häufig zu beobachtendes Phänomen der Assimilation. Ab 1902 führte sie den Künstlernamen Jenny (Jeanette) Carsen und sicherte sich Engagements an verschiedenen europäischen Bühnen, unter anderem ab 1901 in Straßburg. Sozialer Aufstieg und großbürgerliches Leben Ihr Privatleben war zunächst von den Herausforderungen ihrer Zeit geprägt; ihr einziger, unehelich geborener Sohn wuchs bei Pflegeeltern auf. Eine Zäsur bildete das Jahr 1906: Die Heirat mit dem wohlhabenden Karlsruher Furnierhändler und Konsul Emil Utz in London markierte den Aufstieg in das internationale Großbürgertum. Das Ehepaar führte ein mondänes Leben, das durch häufige Aufenthalte in europäischen Metropolen und Kurorten sowie einen repräsentativen Wohnsitz in der Münchener Beethovenstraße (ab 1914) gekennzeichnet war. Diese Phase spiegelt die Lebensrealität der ökonomischen Elite des Wilhelminismus und der frühen Weimarer Republik wider. Witwenschaft und Repression Nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 1925 verblieb Jenny Utz zunächst in München, unterbrochen von Aufenthalten in Bad Reichenhall und ihrer Geburtsstadt Wien. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 verschärften sich die Lebensbedingungen für die Witwe rapide. Trotz ihrer Konversion und ihrer langjährigen Zugehörigkeit zur bürgerlichen Gesellschaft wurde sie nach den Kriterien der Nürnberger Gesetze als Jüdin verfolgt. Nach einem letzten Münchener Wohnsitz am Kaiser-Ludwig-Platz kehrte sie 1934 endgültig nach Wien zurück. Doch auch dort bot die Emigration keinen Schutz vor dem Zugriff des Regimes nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938. Deportation und gewaltsames Ende Die finale Phase ihres Lebens ist dokumentiert durch die systematische Entrechtung: 1940: Zwangseinweisung in ein sogenanntes „Judenhaus“ in der Wiener Leopoldstadt (2. Bezirk). 19. Februar 1941: Deportation mit einem der ersten Massentransporte von Wien in das Ghetto Kielce im besetzten Polen. In Kielce verliert sich ihre Spur. Angesichts der Tatsache, dass von den dorthin deportierten Wiener Juden lediglich 18 Personen das Ende des Krieges erlebten, muss der Tod von Jenny Utz im Ghetto oder in einem der Vernichtungslager als gesichert gelten. Ihr Schicksal steht exemplarisch für die Zerstörung deutsch-jüdischer Biografien, die trotz vollzogener Assimilation und gesellschaftlicher Integration der Shoah zum Opfer fielen. |