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Das Bürgermilitär

Wolf - Ein Jahrhundert München (Seite 214)

Das Bürgermilitär, wie es jetzt ist, ist nicht mehr die Belustigung der Kinder und der Spott der Alten. Die Nationalgarde von München ist weit entfernt von jener Zeit, wo sie einer deutschen Kleinstädterei gleichen konnte, wo noch Zöllner an den Toren saßen und alles „Herr Vetter“ und „Frau Base“ in der guten Stadt München hieß, wo man sich im Brautzug in die Kirche begab und vom Turme herab zur Hochzeit blasen ließ.

Wenn du sie aufziehen, paradieren und exerzieren siehst, wirst du mit mir sagen: die Landwehr von München ist diszipliniert und hat eine treffliche Haltung. Die aufrufsfähige Mannschaft beträgt diesseits der Isar 1900, mit der Au 2500, darunter eine Eskadron zu Pferde, Füsiliere, Grenadiere, Schützen und Artillerie.

Sie wählt sich ihre Offiziere selbst, hat ihre eigenen Musikkorps und ihre Waffen zu Hause. Bei Prozessionen, Aufzügen und Festen (Oktoberfest), an allerhöchsten Geburts- und Namenstagen, bei Beerdigungen tritt sie en masse auf; zum eigentlichen Waffendienste wird sie in friedlicher und ruhiger Zeit nicht verwendet.

Man kann behaupten, daß sie durch das ausgezeichnete Wirken ihrer Chefs von dem besten Geiste beseelt ist.

Die kurzen, hellblauen Uniformröcke der Landwehr sind seit 1811 vorgeschrieben, aber erst seit 1815, nach manchem altväterischen Widerstande, vollständig eingeführt.

Das bürgerliche Zeughaus aus dem Alten Rathaus hat keine besondere Sehenswürdigkeit an Rüstungen, Wehren und Waffen; doch enthält es die Marschallsuniform, die König Max nur einmal trug und nicht wieder, nämlich bei der Eröffnung der ersten Ständeversammlung im Jahre 1819.

Sie brachte der Bürger und ehemalige Artilleriehauptmann, jetzt Kastellan der Burg zu Hohenschwangau, J. B. Findel, als er sie nach dem Tode des Königs käuflich erworben hatte, der Gemeinde zum Geschenke. König Ludwig legte den Degen dazu.

(Aus: „Münchner Hundert und Eins“)