Sammlungen
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Fürstliche Sammlungen sind in der Frühen Neuzeit nicht nur Ausdruck kostspieliger Kunstleidenschaft, sondern vor allem auch Mittel der Selbstdarstellung des Herrschers.
Die ersten Sammlungen versuchen mit ihrem bunt gemischten Bestand die Gesamtheit der sichtbaren Welt im Kleinen zusammenzufassen und abzubilden.
Auswahl und durchdachte Platzierung der Objekte bringen Ordnung und Systematik in diese Vielfalt. So versucht der sammelnde Fürst mit der planvollen Präsentation seiner Schätze gleichsam an die Stelle des göttlichen Schöpfers zu treten.
Gleichzeitig zeichnet er sich durch die Möglichkeit, begehrte Raritäten zu erwerben und auszustellen, vor anderen aus: Der Aufbau spezialisierter Kunstsammlungen - Gemälde, Skulpturen oder Schmuckobjekte - gilt daher gleichermaßen als Ausdruck von Reichtum und aristokratischer Lebensart.
Diese repräsentativen Funktionen einer fürstlichen Sammlung zeigen sich schon früh im Bestreben, die Objekte mittels einer prachtvollen Inszenierung in entsprechend ausgestatteten Schauräumen zu zeigen.
Die Wittelsbacher ließen für ihren wachsenden Kunstbesitz zwischen dem 16 und dem 18. Jahrhundert verschiedene Räumlichkeiten einrichten Diese Praxis fand um 1735 in der Residenz ihren Höhepunkt mit dem Bau und der Ausstattung der Grünen Galerie (Raum 58).
Der Anfang: Die Kunstkammer Albrechts V. als Spiegel der WeltHerzog Albrecht V (1528/50-1579) ließ ab den 1560er Jahren erste bedeutende Sammlungsräume auf dem Areal der heutigen Residenz einrichten.
Neben dem Antiquanum, das die Antiken und Albrechts Bücherschatz beherbergte, erbaute er südlich davon ein eigenständiges Gebäude als Ausstellungsort seiner umfangreichen Kunstkammer. Zwischen 1563 und 1567 entstand eine Vierflügelanlage mit Arkadenhof in modernen Renaissanceformen.
In den vier weitläufigen Sälen und den Eckräumen des zweiten Obergeschosses waren die Schätze auf über 90 Tischen ausgestellt.
Ein Inventar von 1598 listet circa 6000 Objekte auf, die hier nach Objektgruppen geordnet Besuchern mit herzoglicher Erlaubnis präsentiert wurden Neben Schatzkunst, Gemälden und Klemskulpturen gab es unbehandelte und kunsthandwerklich veredelte Naturerzeugnisse, wissenschaftliche Instrumente sowie Exotica aus Asien und Amerika zu bestaunen. Besondere Sammlungsschwerpunkte bildeten die Landeskunde (bayerische Karten und Stadtmodelle) sowie die Geschichte der Wittelsbacher.
Auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung zählte die Münchner Kunstkamrner zu den bedeutendsten fürstlichen Sammlungen ihrer Zeit Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie von schwedischen Truppen geplündert und verlor in der Folge rasch ihre Bedeutung als Mittel fürstlicher Selbstdarstellung.
Zunehmend veraltet dienten die Reste als Verfügungsmasse für nachfolgende SpezialSammlungen und wurden im frühen 19. Jahrhundert endgültig aufgelöst. In der Schatzkammer der Residenz haben jedoch die faszinierendsten Stucke dieses berühmten Bestands die Zeiten überdauert.
Die Kunstkammer Albrechts V.- Bild -
Innenhof der Alten Münze in München
Blick in den Arkadenhof des ehemaligen Kunstkammergebäudes zwischen Residenz und Altem Hof. Das Erdgeschoss diente zunächst als Mar-stall der Herzöge. Im frühen 19. Jahrhundert zog das bayerische Münzamt ein. Heute beherbergt der Bau das Landesamt für Denkmalpflege.
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Mixtekischer Goldring, wohl 15. Jh.
Schatzkammer der Residenz
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Nischenhalbfigur mit mexikanischer Miniaturmaske
Pyroxenit, Onyx, Gold; Schatzkammer der Residenz
Der prächtige Ring mit dem stilisierten Vogelkopf gehört zu den frühesten Goldobjekten, die nach der Eroberung Mexikos durch die Spanier nach Europa gelangten. In der Kunstkammer vertrat er mit weiteren Gegenständen wie der kleinen olmekischen Maske aus grünem Stein, die im 18. Jh. zu einer dekorativen Halbfigur erweitert wurde, Amerika -die "Neue Welt" Die reiche, unbekannte Kultur der mesoamerikanischen Völker wurde von den europäischen Entdeckern als besonders fremd und exotisch empfunden.
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Effenbeintruhe, Ceylon, um 1545
Die kostbare Truhe mit ihren feinen Reliefs aus Elfenbein gelangte um 1542/43 nach Lissabon, wo sie von
Albrecht V als exotische Rarität für die Kunstkammer erworben wurde.
Maximilian I. (reg. 1597-1651, ab 1623 als Kurfürst) war nicht nur ein energischer Politiker, sondern auch ein passionierter Kunstliebhaber. Um 1607 ließ er mit der sogenannten Kammergalerie erstmals in der Residenz einen eigenen Sammlungsraum mit unmittelbarer Anbindung an den fürstlichen Wohntrakt einrichten. Im Bereich der heutigen Reichen Zimmer verband die circa 30 Meter lange Galerie Maximilians private Wohnräume mit dem Schlafzimmer.
Acht Wandschränke enthielten kostbare Kunstgegenstände, die auf Prunktischen einzeln studiert werden konnten. Den ersten Blickfang bildeten aber die weit über 100 Gemälden und Miniaturen, denen die besondere Leidenschaft des Kurfürsten galt.
Aus dem Inventar der Bilder lässt sich Profil und Ausrichtung der Sammlung erschließen. Zahlreiche Ahnenporträts verherrlichten das Haus Wittelsbach. Den anderen Schwerpunkt bildeten Glanzstücke der niederländischen und altdeutschen Malerei des 16. Jahrhunderts. Dazu gehörten zahlreiche Gemälde Albrecht Dürers, die heute zu den Hauptwerken der Alten Pinakothek zählen.
In der Konzentration auf Werke bestimmter, vorbildlicher Künstler 4 wird neben dem Willen zur Repräsentation somit auch der ausgeprägte persönliche Geschmack des fürstlichen Sammlers greibar.
Unter Maximilian l. hatten nur wenige Zutritt zu diesem Bilderschatz: Diese Exklusivität kennzeichnete die Sonderstellung des Kurfürsten, der nur Auserwählten einen bewundernden Blick auf seine Meisterwerke gewährte. Erst unter seinem Sohn und Nachfolger, dem Kurfürsten Ferdinand Maria (reg 1651-1679) öffnete man die Galerie einer etwas breiteren Öffentlichkeit.
Die Kammergalerie Maximilians I.- Bild -
Übersichtsplan der kurfürstlichen Residenz, ca. 1630/50 Privatbesitz
Dieser Ausschnit aus einem Plan der Residenz zeigt in der rechten unteren Hälfte die Kammergalerie östlich des quatratischen Grrottenhofs. Ursprünglich öffnete sie sich mit acht Fenstern zum ehemaligen Residenzgarten (heute Königsbauhof)
Beim Umbau des kurfürstlichen Appartements in den 1680er-Jahren wurde die Galerie verändert und verschwand schließlich ganz, als um 1730 die Reichen Zimmer eingerichtet wurden.
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Albrecht Dürer (1471-1528)
Anna selbtritt, 1519
Maximilian erwarb das Gemälde 1630. Dürer gehörte zu den Lieblingskünstlern des bayerischen Kurfürsten. Regelmäßig konkurrierte er mit einem weiteren bedeutenden Sammler um die raren Orginale: Kaiser Rudolf II.
Die Darstellung der Hl. Anna mit der jugentlichen Maria und dem schlafenden Jesuskind war das einzige Gemälde der Maximlianischen Dürersammlung, das später in die Grüne Galerie ünernommen wurde. 1852 wurde es versteigert und befindet sich heute im Metropolitan Museum in New York.
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Prunktisch mit achteckiger Scagliola-Platte um 1575/80
Residenzmuseum, Steinzimmer (Raum 107)
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Prunktisch mit Einlegearbeiten Augsburg, 1626
Schatzkammer der Residenz
Sieben Prunktische mit kostbaren Einlegearbeiten aus Stein, Stuckmarmorund gravierten Metall dienten in der Kammergalerie gleichermaßen als Ausstellungsstücke und Präsentationsflächen für die Schatzobjekte.
Mehrere dieser kostbaren Möbelhaben sich im Bestand der Residenz und der Schatzkammer erhalten.
Miniaturen in der KammergalerieHans Bol (1534-1593)
Landschaft mit Rebecca am Brunnen, 1590
Pergament, 14,1 x 20,9 cm
Residenzmuseum
Das hier ausgestellte Landschaftspanorama von der Hand des Niederländers Hans Bol gehörte ursprünglich zusammen mit circa vierzig weiteren Mimaturen zum Bestand der Kammergalerie.
Die alttestamentarische Szene dient primär als Staffage und ist in eine Fülle winziger, jedoch präzise erfasster Naturdetails eingebettet.
Das Interesse Maximilians I. an dieser Art von Überschaulandschaften erinnert an das Bestreben älterer Sammlungen, die Gesamtheit der Schöpfung vorzustellen.
Um 1735 wurde das Bild zusammen mit zahlreichen anderen Kteingemälden in die Vertafelungen des Miniaturenkabirietti in den Reichen Zimmern eingelassen.
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Unbekannter Künstler nach Albrecht Dürer, letztes Viertel 16 Jh,
Der Hl. Hieronymos im Gehäuse
Pergament 25 x 19,5 cm
Residenzmuseum
Die Miniatur kopiert detailgenau Albrecht Dürers berühmten Kupferstich von 1514 (Abb. rechts)
Maximilian I. erwarb mehrere Werke Dürers für seine Sammlung. Alledings zögerte er nicht, die kostbaren Gemälde dem Zeitgeschmack folgend malerisch ergänzen zu lassen.
Ähnlich unbefangen erscheint die Übertragen der chwarz-weißen Druckgraphik in eine farbige Miniatur. Diese belegt so auch einen heute fremd erscheinenden Umgang des Sammlers mit dem Orginal.
Die Galerie als Kunstwerk:Bauten der Kurfürstin Henriette Adelaide
Nach Maximilians I. Tod war es vor allem seine Schwiegertochter, Henriette Adelaide von Savoyen (1636-1676), in deren Auftrag in der Residenz anspruchsvolle Galerieräume entstanden.
Schon kurz nach ihrer Hochzeit mit dem jungen Kurfürsten Ferdinand Maria im Jahre 1652 ließ Henriette Adelaide eine erste Galerie errichten. Sie befand sich hinter dem Antiquarium und wurde mit kostbaren Möbeln und zahlreichen Familienbildnissen ausgestattet.
Nach dem Tod ihrer Schwiegermutter 1665 bezog Henriette Adelaide deren Wohnung zwischen Grottenhof und Residenzstraße. Hier entstand in ihrem Auftrag bis 1674 eine zweite Galerie, die die Residenzfront im Westen verlängerte und zum Garten hin abschloss.
Das ausgefeilte Bildprogramm dieses Raumes widmete sich ausschließlich der Verherrlichung der Dynastien Savoyen und Wittelsbach: An den Fensterpfeilern hingen die Porträts der savoyisch-französischen Verwandten, die hier ausgestellt sind. Die emblematischen Deckengemälde verklärten hingegen Henriette Adelaides Schwiegervater Maximilian l., der vor seinem Tod ihre Ehe arrangiert hatte.
Wie Teile der Grünen Galerie musste auch dieser barocke Prachtraum 1826 dem Königsbau Ludwigs l. weichen. Reste der malerischen Ausstattung haben sich in den Beständen des Bayerischen Nationalmuseums erhalten.
Kunst und Repräsentation:Max Emanuels Sammlungen in der Residenz und Schleißheim
Für Bayern vertritt vor allem der schillernde Kurfürst Max Emanuel (reg. 1680-1726) den Typus der barocken Herrschergestalt. Während einer wechselvollen politischen Laufbahn, die dem lebenslangen Kampf um eine Königskrone gewidmet war, setzte dieser Wittelsbacher stets auf größte Prachtentfaltung.
Max Emanuel war ein leidenschaftlicher Kunstliebhaber. Mit hoher persönlicher Kennerschaft baute er Sammlungen auf, die höchsten internationalen Standards genügten. Seine besonderen Vorlieben galten der Malerei, insbesondere den niederländischen Meistern, sowie dem exotischen Reiz ostasiatischen Porzellans. Seinen Vorrang als Sammler nutzte Max Emanuel vor allem in Phasen politischen Misserfolgs, um einen symbolischen Anspruch auf verlorene Machtpositionen weiterhin aufrechtzuerhalten.
Bereits kurz nach Antritt der Regierung veranlasste der junge Kurfürst den Umbau der väterlichen Wohnräume um den Grottenhof. Zwischen 1680 und 1685 errichtete sein Architekt Enrico Zuccalli zunächst die „Alexanderzimmer" als eigentliches Wohnappartement. Südlich davon entstanden die „Sommerzimmer", die auch als Sammlungsräume dienten.
Die Dekoration verherrlichte nicht nur den Kurfürsten, sondern nahm in Material und Thematik auch auf die ausgestellten Kunstschätze Bezug Vor allem gilt dies für das sogenannte „Holländische Kabinett", das die Porzellane aufnahm. Hier entstand um 1695 am Münchner Hof ein frühes Beispiel jener „chinoisen" Interieurs, die dann im 18. Jahrhundert ihren Siegeszug antraten.
1729 gingen Max Emanuels kostbare Räume bei einem Brand zugrunde An ihrer Stelle entstanden die Reichen Zimmer und die Grüne Galerie.
Die Sammlungen Max Emanuels- Bild -
Die Schleißheimer Galerie
Max Emanuels bedeutendstes Bauprojekt ist das Neue Schloss in Schleißheim. Ursprünglich als künftige königliche Residenz geplant, verlief die Baugeschichte zwischen 1701 und 1720 höchst wechselvoll.
Räumlich wie inhaltlich bildet das Zentrum des Schlosses heute die große Gemäldegalerie im ersten Obergeschoss, die sich mit elf Fenstern auf die Gartenparterres öffnet.
Hier präsentierte Max Emanuel die Spitzenwerke seiner bedeutenden Gemäldesammlung, die er zu großen Teilen auf dem niederländischen Kunstmarkt erworben hatte.
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Bartolome Esteban Murillo (1617-1682)
Buben beim Würfelspiel
München, Alte Pinakothek
Die reizvoNe Genreszene des Spaniers Murillo gehört zu dem bedeutendsten Kunstankauf, der Max Emanuel wahrend seiner Zeit als Statthafter der Spanischen Niedertande gelang: Für 90.000 Gulden erwarb er 1696 die Bildersammlung des Antwerpener Kaufmanns Gisbert van Coten, darunter zahlreiche Werke von Rubens, Van Dyck und Brouwer.
Murillos Straßenkinder hingen ursprünglich in Schleißheim. Um 1730 wurden sie mit anderen Meisterwerken m die Residenz gebracht und dort an prominenter Stelle in der Grünen Galerie präsentiert.
Max Emanuels MiniaturensammlungPraktisch zeitgleich mit dem Erwerb seiner berühmten Bildersammlung ließ Max Emanuel bedeutende Stücke durch Francois Bouly (tätig zwischen 1700 und 1733) im Kleinformat kopieren.. Die hier ausgestellten Miniaturgemälde dienten dem zwischen Bayern, den Niederlanden und Frankreich hin und her reisenden Kurfürsten gleichermaßen als gemalter Katalog und als mobile Galerie.
Um 1735 wurden die Kleinbilder in das Miniaturenkabinett der Reichen Zimmer überführt.
Francois Bouty (nach Adriaen Brower (1605/06-1638)
Bauernquartett, 1700
Gouache auf Pergament 14 x 18 cm
Residenzmuseum
Die Darstellung der in einer Dorfschenke trinkenden und rauchenden Bauern nach einem Original Adriaen Browers war eine der ersten Kopien, die Bouly anfertigte. Die Wahl dieses typischen Genrethemas erstaunt denn die satirische Darstellung der Bauern präsentiert eine Gegenwelt zur höfischen Sphäre.
Die Miniatur dokumentiert daher anschaulich die Vorliebe Max Emanuels für die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts.
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Francois Bouly nach Joseph Werner (1637-1710)
Perseus bei den Nymphen, nach 1700
Gouache auf Pergament. 16.4 x 20,8 cm
Residenzmuseum
Die Miniatur zeigt den Helden Perseus, der auf seiner Suche nach der todbringenden Medusa von lieblichen Wassergöttinnen mit Wnderwaffen ausgerüstet wird.
Im Auftrag Max Emanues schuf Francois Bouly diese verkleinerte Kopie eines Gemäldes des in Rom. Paris
und Augsburg tätigen Maler Joseph Werner aus der Sammlung des Kurfürsten {Abb. oben). Werners elegante Komposition die alle Merkmale des von Max Emanuel geschätzten französichen Klassizismus zeigt, ist spätestens seit 1740 in der Grünen Galerie belegt.
Erst um 1800 wurde das Bild von dort entfernt.
Im Zuge der Neueinrichtung konne das Gemälde an seinen ursprünglichen Platz zurückkehren und erlaubt nun einen unmittelbaren Vergleich zwischen Orginal und Kopie.
Maximilian de Geer (1680-1768)
Ansicht voon Schloss Schleißheim vom Garten aus, um 1730
Aquarell und Tempere auf Pergament, 20,3 x x15 cm
Dieses nach Max Emanuels Tod angefertigte Miniaturkopie eines 1722 entstandenen Gemäldes von Fran Joachim Beich (Orginal im Schloss Nymphenburg, südlche Galerie), zeigt die Gartenfront des Schleißheimer Scjlosses. Hinter den Fenstern des Hauptgeschosses erstreckt sich im Mitteltrackt zwischen den Gemächern von Kurfürst und Kurfürstin die große Galerie, die Max Emanuels Gemäldesammlung beherberge.
Die Grüne Galerie - Geschichte und Neuentdeckung eines barocken SammlungsraumsBau und Ausstattung der Grünen Galerie
1729 brach ein Brand in der Residenz aus. Das Feuer zerstörte große Teile des noch unter Max Emanuel begonnenen, von Joseph Effner im modernen Regencestil neu eingerichteten kurfürstlichen Prunkappartements am Grottenhof.
Unmittelbar nach der Katastrophe befahl der junge Kurfürst Karl Albrecht (reg. 1726-1745, seit 1742 als Kaiser) den Wiederaufbau. Mit der Neuausstattung beauftragte er den wallonischen Künstler und Architekten Francois Cuvillies.
Nach den detaillierten Entwürfen und unter der Oberaufsicht Cuvillies gestalteten Stuckateure, Vergolder und Bildschnitzer - darunter Johann Baptist Zimmermann, Johann Joachim Dietrich und Wenzeslaus Miroffsky - das neue Paradeappartement. Es entstanden die später so genannten „Schönen" oder „Reichen Zimmer Sie bestehen aus zwei kreuzenden Fluchten: den Vor-und Audienzzimmern im Osten und der prunkvollen Reihe der Gesellschaftsräume im Süden.
Als glanzvollen Auftakt dieses südlichen Appartement de societe errichtete Cuvillies zwischen 1730 und 1737 die Grüne Galerie mit ihren beiden angrenzenden Salons.
An den Wänden wurden Hauptwerke der Wittelsbacher Gemäldesammlung präsentiert. Der Zugang zur Galerie erfolgte ursprünglich über ein prachtvolles Treppenhaus. Es verband zugleich die Ahnengalerie und die ebenfalls von Cuvillies gestaltete Schatzkammer (heute Porzellankabinett) im Erdgeschoss mit den Reichen Zimmern.
Am gegenüberliegenden Ende des Appartements bilden zwei - kleine aber luxuriöse - Sammlungsräume ein Pendant zur Galerie Das Spiegelkabinett mit den dort ausgestellten Porzellanobjekten und das Miniaturenkabinett.
Eines Kaisers würdig...
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Stolz präsentiert Karl Albrecht auf diesem Porträt aus der Werkstatts Georges Desmarees (Schloss Nymphenburg) die Insignien des Kaisertums Reichskrone, Apfel und Zepter.
Nach dem überraschenden Tod Kaiser Karls VI. aus dem Hause Habsburg erfüllte sich der Lebenstraum des Wittelsbacher Kurfürsten: Am 25 Januar 1742 wurde er in Frankfurt als Karl VII. zum Oberhaupt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gewählt.
Das Glück war allerdings von kurzer Dauer: Schon zwei Tage später zogen die Truppen Maria Theresias in München ein: Der österreichische Erbfolgekrieg hatte begonnen...
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Dieses Gemälde Peter Candids aus dem frühen 17. Jahrhundert zeigt den 1328 gekrönten Kaiser Ludwig den Bayern.
Das Bildnis des ersten Wittelsbachers, der den deutschen Thron bestieg, wurde eigens in Karl Albrechts Audienzzimmer über der Tür angebracht, um die Ansprüche des bayerischen Kurfürsten auf die Kaiserkrone sinnfällig zum Ausdruck zu bringen.
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Inventare belegen die prunkvolle Ausstattung der Galerie mit zahlreichen Kunstobjekten: Ihr luxuriöser Prunk sollte die Macht und kulturelle Bedeutung des bayerischen Hofes veranschaulichen.
Auf vergoldeten Tischen standen kostbare Lackkästen aus China und Japan. Diese dienten wiederum als Standflächen für zierliche, fernöstliche Porzellanobjekte. Entlang der Wände waren weitere Porzellanvasen aufgestellt, die mit hohen Kosten aus Asien nach Europa importiert wurden.
(Foto: Versuch einer vereinfachten Rekonstruktion der ursprünglichen Situation aus dem Jahr 2003)
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Johann Askanius von Triva, der die Ausstattung der Galerie mit Gemälden koordinierte, entstammte einer Familie, die über Generationen hinweg den bayerischen Herrschern in unterschiedlichen Funktionen diente
Sein Onkel Antonio Triva (1625/26-1699) war als Hofmaler maßgeblich an dur künstlerischen Ausgestaltung der Galerie der Kurfürstin Hennette Adelaide beteiligt
Johann Nepomuk von Triva (1755-18369) Johann Askanius Enkel, bekleidete unter Max l. Joseph das Amt des ersten Kriegsministers des jungen Königreichs Bayern.
(Johnnn Nepomuk von Trivas Grab auf dem Südlichen Friedhof, München)
Die verlorenen Deckengemälde der Grünen GalerieBalthasar Augustin Albrecht (1687-1765)
Die Allegorie der Malerei (Entwurf für das Deckengemälde der Grünen Galerie), um 1733
Leinwand 71 x 86,4 cm
Bayerische Schlösserverwaltung
Balthasar Augustin Albrechts Malereien im stuckierten Gewölbespiegel der Grünen Galerie wurden 1944 zerstört. Heute ziert ein allegorisches Leinwandgemälde von der Hand des venezianischen Barockmalers Gian Antonio Pellegrini (1675-1741) die Decke.
Über das ausgefeilte Bildprogramm des ursprünglichen, circa 4.50 x 6.70 Meter großen Mittetfreskos informiert eine erhaltene Entwurfsskizze: Im Zentrum erscheint die personifizierte Maierei mit den Zügen von Karl Albrechts Gemahlin Maria Amalia. Begleitet von Minerva, der Schutzherrin der Künste, überreicht sie dem Götterkönig Jupiter ein Bildnis des 1727 geborenen Kurprinzen Max Joseph. Darunter entwindet ein Genius dem alten Zeitgott Chronos die tödliche Sense, da die Förderung der Künste dem Haus Wittelsbach Unsterblichkeit garantiert.
Der einstige Freskenschmuck am nördlichen und südlichen Kopfende der Galerie schilderte auf ähnliche Weise die Leistungen von Bildhauerei und Architektur im Dienste der bayerischen Dynastie.
Die zeittypische Verschränkung von Fürstenlob und Verherrlichung der in der Galerie versammelten Kunstgattungen verdeutlicht die Rolle der Galerie im Rahmen der Herrschaftsrepräsentation.
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Historische Aufnahme des zentralen Freskos kurz vor der Zerstörung
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Der Genius der Bildhauerei meißelt das Kurwappen unter der Statue des Tugendhelden Herkules ein.
Historische Aufnahme des nördlichenDeckenfreskos kurz vor der Zerstörung.
Eines Kaisers würdig ...Ausstattung und Funktion der Grünen Galerie
Alle Teile der wandfesten Ausstattung der Galerie - Stuck, Schnitzerei, Konsolen und Türblätter - sind zu einer dekorativen Einheit zusammengefasst. Jedes Ornament und jede geschwungene Linie bildet einen Ton in einer harmonischen Gesamtkomposition. In diese fügten sich ursprünglich auch die ausgewählten Gemälde ein. Einen wesentlichen Beitrag zu dieser stimmigen Gesamtwirkung leistete das von Cuvillies entworfene System von Bilderrahmen: Er gestaltete eine Reihe von leicht variierenden Grundtypen. Die wiederkehrenden Schnitzmotive setzten die unterschiedlichen Gemälde miteinander und mit der übrigen Wanddekoration in Beziehung.
Die Anbringung von wandhohen Spiegeln erweiterte die Funktion der Galerie in charakteristischer Weise um den eines Spiegel- und Festsaals. In diesem konnten die Gäste des Kurfürsten gleichermaßen dem Kunstgenuss wie dem Gesellschaftsleben frönen.
Auf den Konsoltischen und vor den Wänden der Galerie waren zahlreiche, aus Ostasien importierte Kunstgegenstände aufgereiht: Kostbare Porzellanvasen aus China und schimmernde japanische Lackkästen transportierten die phantastische Welt des fernen Orients in den Herrschaftsbereich der Wittelsbacher.
Die so überaus prunkvolle Ausstattung von Appartement und Galerie war nicht Selbstzweck. Vielmehr sollte sie die weitreichenden politischen Ambitionen des bayerischen Kurfürsten wirkungsvoll fördern Höchstes Ziel Karl Albrechts war der Erwerb der Kaiserkrone für sein Haus, die seit dem 15. Jahrhundert von den Habsburgern getragen wurde.
Der prachtvolle Ausbau seiner Residenz machte diesen Anspruch sichtbar. Cuvillies neue Räume mussten den zeremoniellen Anforderungen einer kaiserlichen Hofhaltung genügen. Gleichzeitig sollten sie eine Präsentation der Wittelsbacher Kunstsammlungen ermöglichen, die mit derjenigen der Habsburger Verwandten rivalisieren konnte.