Die Bauern, ihre Verbände und der Staat
Eine Untersuchung zum Verhältnis von Partizipation und Administration
| Autor:in | Kirchinger Johann |
|---|---|
| Verlag | Droste Verlag |
| Buchart | Broschiert |
| Erscheinung | Juni 2023 |
| Seiten | 680 S. |
| ISBN / B3Kat | 3770053583 (9783770053582) / BSB-OPAC (BV048994999) |
| Verkaufspreis | 68,00 € |
| Schlagworte | LandwirtschaftMärzrevolutionGrundbesitzKatholizismusPluralisierungAgrarpolitikWeimarer RepublikBauernverein |
Beschreibung
Bauernverbände zählen zu den vermeintlich einflussreichsten Interessenverbänden in der deutschen Geschichte. Tatsächlich aber sind sie Teil eines korporatistischen Arrangements, das ihre Bewegungsfreiheit stark einschränkt und in dem die staatliche Ministerialverwaltung der stärkste Akteur ist. In Bayern ist diese Konstellation besonders ausgeprägt aufgrund der Unabhängigkeit einer zentralistischen Staatsverwaltung nach französischem Vorbild. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich im bayerischen Agrarverbandswesen seit dem 19. Jahrhundert ein scharfer Gegensatz zwischen ehrenamtlichen Honoratiorenlandwirten und hauptamtlichen Verbandsfunktionären, die sich sozial an der staatlichen Bürokratie orientieren. Dies führte dazu, dass der 1945 gegründete Bayerische Bauernverband in wesentlichen Teilen unter Staatsaufsicht steht. Um dies zu verstehen, ist es nötig, die Geschichte des Agrarverbandswesens bis in das frühe 19. Jahrhundert zurückzuverfolgen.
Einleitung
Partizipation und Administration
Erstes Kapitel
Vereinzelung (1810 bis 1848)
- Das Interesse des Landwirtschaftlichen Vereins in Bayern
- Die Gemeinde als Institution bäuerlicher Interessenartikulation
- Kommunikation unter Anwesenden
Zweites Kapitel
Politisierung (1848 bis 1893)
- Die Märzrevolution 1848 auf dem Land
- Die Ideologisierung des Grundbesitzes in der Reaktionszeit
- Die zaghafte Mobilisierung der Bauern durch den politischen Katholizismus
Drittes Kapitel
Pluralisierung (1893 bis 1933)
- Eine preußische Initiative als Auslöser für die Formierung der bayerischen Bauern
- Die Provokation durch den Sozial- und Interventionsstaat
- Das agrarpolitische Vakuum des politischen Katholizismus 7
- Symbole einer Herrschaftskrise
- Die ländliche Gemeinde als Vorbild
- Bayerischer Antibürokratismus und preußische Beamtenfreundlichkeit
- Kleinbürgerlicher Putsch: Der Bayerische Christliche Bauernverein
- Parteipolitische, weltanschauliche und genossenschaftliche Versäulung
- Drei Formen der Herrschaft
- Struktur und Ideologie
- Der Mythos von den frommen Oberpfälzern
- Ständische Berufsgenossenschaften, revolutionäre Bauernräte, parlamentarische Bauernkammern
- Das >Büro Horlacher<: Verbandsbüro ohne Verband
- Die Verselbstständigung der hauptamtlichen Verbandsapparate
- Zum Vergleich: Die Bürokratisierung der Gewerkschaften
- Vom maverickpolitical leader zum Beamtenimitat: Die personelle Entwicklung der hauptamtlichen Verbandsapparate
- Der gescheiterte Kampf gegen das Landwirtschaftsministerium
- Abstraktion und Empirie
- Die Bürokratisierung der Agrarpolitik
- Die Marginalisierung des bäuerlichen Protests
- Die bayerischen Agrarverbände am Ende der Weimarer Republik
Viertes Kapitel
Monopolisierung (1933 bis 1998)
- Die Sensibilität der nationalsozialistischen Agraragitation
- Das leichteste Opfer: Der Bayerische Bauernbund
- Der distanzierte Gesinnungsgenosse: Der Bayerische Landbund
- Der stabile Kontrahent: Der Bayerische Christliche Bauernverein
- Zwischen Ausgrenzung und Anpassung: Das Schicksal der alten Agrareliten im Dritten Reich
- Die Errichtung des Monopols im Büro der Bayerischen Landesbauernkammer
- Die Disziplinierung der staatlichen Landwirtschaftsverwaltung
- Die Duldung der traditionellen dörflichen Elite
- Die monopolistische Entscheidung der Alliierten
- Der Bayerische Bauernverband: Einheitsverband aus Versehen
- Ein strukturelles Monstrum
- Die Ernährungsämter A
- Kampf um die Hinterlassenschaften des Reichsnährstandes
- Die Landwirte zwischen Ablehnung und Apathie
- Die Last des Monopolanspruchs
- Konfessionelle Gefahren für den Monopolanspruch
- Parteipolitische Gefahren für den Monopolanspruch
- Das letzte Aufgebot der Amerikaner: Der Erweiterte Beratungsdienst
- Die negative Bilanz der US-Militärregierung
- Honoratioren gegen Funktionäre
- Eine neue hauptamtliche Agrarelite
- Die Technisierung der Verbandsideologie
- Von der ständischen Segmentierung zur funktionalen Differenzierung in den Verbandsbüros
- Die Unterwerfung des Bayerischen Bauernverbandes unter die Staatsaufsicht
- Die zentrale agrarpolitische Position der staatlichen Landwirtschaftsverwaltung
- Erstarrung statt Stabilität: Das Ende der Kommunikation unter Anwesenden
Fünftes Kapitel
Diversifizierung (ab 1998)
- Die Spezialisierung der Verbandslandschaft
- Die Politisierung der Landwirtschaftsverwaltung
- Wachsen oder Weichen? - Die Bauernverbandsbürokratie auf Expansionskurs
- Der Zusammenbruch des korporatistischen Arrangements lässt aufsich warten
- SocialMedia: Die Renaissance derKommunikationunter Anwesenden
- Die Kommunalisierung der politischen Kultur Bayerns
Fazit
Anhang
Abkürzungsverzeichnis
Prosopographische Anhänge
- Die Vorstandschaft des Bundes der niederbayerischen Landwirte 1893
- Die Vorstandschaft des Bayerischen Bauernbundes 1895
- Die Abgeordneten des Bayerischen Bauernbundes 1899/1900
- Die landwirtschaftlichen Abgeordneten der Bayerischen Zentrumspartei 1899/1900
- Die administrativen Spitzenpositionen im Bayerischen Christlichen Bauernverein 1898
- Die administrativen Spitzenpositionen im Bayerischen Christlichen Bauernverein 1906
- Die administrativen Spitzenpositionen im Bayerischen Christlichen Bauernverein 1931
- Die hauptamtlichen Abteilungsleiter der Bayerischen Landesbauernkammer 1933
- Die hauptamtlichen Spitzenpositionen im Bayerischen Landbund 1925
- Die Abgeordneten des Bayerischen Bauern- und Mittelstandsbundes 1930 bis 1933
- Die landwirtschaftlichen Abgeordneten der Bayerischen Volkspartei 1930 bis 1933
- Die Abgeordneten des Bayerischen Landbundes 1930 bis 1933
- Die Referatsleiter im bayerischen Landwirtschaftsministerium 1920
- Die Amtschefs der staatlichen bayerischen Landwirtschaftsverwaltung seit 1919
- Die Personalreferenten der bayerischen Landwirtschaftsverwaltung 1935
- Die Referatsleiter der bayerischen Landwirtschaftsverwaltung am 1. März 1945
- Die ehrenamtlichen Spitzenpositionen im Reichsnährstand in Bayern
- Die Kreisdirektoren des Bayerischen Bauernverbandes 1946
- Die Referatsleiter im Generalsekretariat des Bayerischen Bauernverbandes 1951
- Die Generalsekretäre des Bayerischen Bauernverbandes seit 1945
- Die Abteilungsleiter im bayerischen Landwirtschaftsministerium 1985
- Die (Bezirks)Präsidenten des Bayerischen Bauernverbandes 1970
- Die bayerischen Landwirtschaftsminister seit 1945
- Die aus Bayern stammenden Bundeslandwirtschaftsminister
Quellen und Literatur
Personenregister