Gedenken an den Nationalsozialismus – warum Erinnerung wichtig ist
Die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus ist ein zentraler Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur. Sie dient nicht nur dem Gedenken an die Millionen Opfer von Verfolgung, Terror und Vernichtung, sondern ist auch eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte.
Eine aktive Erinnerungskultur macht deutlich, dass Menschenrechte, Toleranz und Rechtsstaatlichkeit keine Selbstverständlichkeiten sind. Indem Erinnerung wachgehalten wird, schützt sie vor dem Wiederaufleben rassistischer, antisemitischer oder autoritärer Ideologien.
Zugleich ermöglicht sie eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle von Täter*innen, Mitläufer*innen und Zuschauer*innen. Bildungsarbeit, Gedenkstätten und historische Forschung leisten hierzu einen entscheidenden Beitrag.
Nicht zuletzt ist Erinnerung Teil einer europäischen und internationalen Verantwortung – als klares Bekenntnis: Nie wieder.
Argumente gegen den Begriff „Schuldkult“
Der rechtsextreme Begriff „Schuldkult“ ist eine abwertende und geschichtsverzerrende Bezeichnung für die deutsche Erinnerungskultur. Er soll suggerieren, dass das Gedenken an die NS-Verbrechen übertrieben oder aufgezwungen sei.
1. Verantwortung ist keine „Kollektivschuld“
Erinnerung bedeutet keine Erbschuld, sondern historisches Verantwortungsbewusstsein. Es geht nicht um persönliche Schuld heutiger Generationen, sondern um Lehren für Gegenwart und Zukunft.
2. Erinnerung schützt die Demokratie
Erinnerungskultur ist kein „Kult“, sondern ein Schutzmechanismus gegen Wiederholung. Sie verteidigt Freiheit, Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit.
3. Gedenken ist Respekt vor den Opfern
Gedenken ist eine Frage des Anstands. Wer es diffamiert, verharmlost Verbrechen wie Holocaust, Euthanasie oder Zwangsarbeit.
4. Geschichtsvergessenheit begünstigt Extremismus
Verdrängung oder Leugnung historischer Tatsachen ebnet den Weg für Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus.
5. Erinnerungskultur ist demokratischer Konsens
Verantwortung und Aufarbeitung sind in Deutschland gesellschaftlich, politisch und rechtlich fest verankert – national wie international.
6. Der Begriff „Schuldkult“ ist antisemitisch konnotiert
Der Begriff wird häufig genutzt, um jüdische Perspektiven zu delegitimieren und antisemitische Narrative zu verbreiten.
Fazit
Der Begriff „Schuldkult“ ist ein Angriff auf eine historisch fundierte und demokratisch notwendige Erinnerungskultur. Erinnerung ist keine Schwäche, sondern Ausdruck von Verantwortung, Reife und moralischer Integrität.