Der grüne Baum und der Prater
Wolf - Ein Jahrhundert München (Seite 216)
An der Isar liegt, gleich neben der steinernen Brücke, ein kleines Wirtshaus, „Zum grünen Baum“ genannt. Hier trinkt man immer ausgezeichnetes und frisches Bier. Es ist eine hergebrachte Sitte, nach einem Spaziergang an der Isar hier einzukehren und sich zu stärken.
Man kann kein schöneres Plätzchen finden: unter schattigen Bäumen, an den schnell dahinflutenden grünen Wellen der Isar, belebt durch viele Flöße; gegenüber der Gasteig mit seinen amphitheatralischen Häusern und die Au mit der herrlichen gotischen Kirche; dazu eine freundliche Wirtin und gute Bedienung.
Unweit davon ist der Prater, ein schattiger Platz und Garten auf einer von der Isar gebildeten Insel, mit einem sehr freundlichen Salon geziert, in welchem in den Wintermonaten manche fröhlichen Abendgesellschaften, namentlich von den Künstlern, veranstaltet werden.
An allen Freitagen im Sommer ist gute Gesellschaft im Prater zu treffen; ein ungewöhnliches Leben herrscht dann hier. Mehrere gute Musikchöre, Feuerwerk und Illumination tragen das Ihrige dazu bei.
An Sonntagen ist hier immer Tanz- oder Harmoniemusik, wo sich aber nur die niederen Klassen der Bevölkerung vergnügen.
Felix von Schiller in seinem Büchlein über München vom Jahre 1843.
Die „steinerne Brücke“: die heutige Isarbrücke an der Zweibrückenstraße. Herkömmlicherweise wurde im Grünen Baum Tölzer Bier ausgeschenkt. Die Wirtin, Frau Walburga Hitzelsberger, war eine Münchner Berühmtheit. Andere bekannte Wirtschaften hier, an der Floßlände, waren das „Ketterl“ und der „Turmwirt“.