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Ein Fest auf einem Münchner Bierkeller

Wolf - Ein Jahrhundert München (Seite 222)

Dem abendlichen Lieblingsaufenthalt des Münchners, dem Bierkeller, widmete Ludwig Steub im Jahre 1841 folgende, mit Künstlergestalten staffierte Analyse:

Wer sich unter dem Sommerkeller eines Münchener Bräuers etwa einen Keller vorstellen wollte, wie ihn die übrige Welt auch hat, der läge in einem großen Irrtum. Es sind dies keine von jenen kleinen Grüften, wo die Lausfrau ihre Weinfäßchen aufstapelt und ihr Flaschenbier, etwas Kartoffeln nebenher für den Winter und ein paar aromatische Käslaibe, sondern vielmehr ungeheure Gewölbe, in die man allenfalls vierspännig einfahren kann, und die auf ihrem Rücken mächtige Gebäude, wie Edelsitze und Schlösser, tragen, welche weit rankendeArme ausstrecken, mit Sommerwohnungen für den Eigentümer, kühlen Lallen für die Lundstage und netten, gemalten Zimmerchen für die „Abonnierten". Diese Burgen stehen in einem weiten Gehöfte, das gar Mannigfaltiges aufzuweisen hat. So vor allem die vielen, vielen Ruhebänke für die labedurstigen Gäste, malerisch auf die schönsten Plätze hingestellt, unter das Dach alter Linden oder stolzer Kastanienbäume. Ferner gehört ein kleiner Wald dazu, durch welchen einsame Kiespfade ziehen oder auch die breite Leerstraße für die Bierwagen. Im Gehölze aber finden sich Blumengärtchen, ein paar verliebte Lauben, ein paar geheimnisvolle Eremitagen und endlich auch eine wundervolle Aussicht auf die blauen Züge der fernen Alpen.

In einem solchen Keller nun, und zwar in einem der schönsten, bereiteten unsere Künstler dem großen Thorwaldsen ein Fest. Der lange Sommertag begann sich schon zu neigen, und der Keller mit Laus und Los, Garten und Wald, reichlich geschmückt mit Laubbögen zu ebener Erde, mit wallenden Flaggen auf den Zinnen, war voll harrender Verehrer, voll von Jüngern der Kunst aus allen deutschen Gauen, voll von anderen Lerren und Damen und voll lieber Jugend. Ein sanfter Anstieg führt aus der waldigen Talenge, welche die Einfahrt bildet, allmählich hinaus gegen die kleine Lochebene. Dort sammelte sich nun, als der gefeierte Gast von der hohen Warte, die das Dach krönt, erspäht war, der Reigen der Festgeber, voran auf grünem Rasensiecke ihre jungen Frauen, deren sie sehr schöne haben, hinter ihnen die Laufen der kunstliebenden Münchner, die den Wundermann erschauen und sein Bild zur unvergeßlichen Erinnerung mit nach Lause nehmen wollten. Der Wagen rollte unter Böllerkrachen vor. Thorwaldsen, der stattliche Nordländer mit dem Löwenkopfe und den langen Silberhaaren, begleitet von den ersten künstlerischen Zelebritäten, die mit 

ihm gekommen waren, schritt jugendlich, alle Blicke auf sich ziehend, den Anstieg hinauf, während alle Läupter sich entblößten, alles sich verneigte und ein donnernder Willkomm ihm entgegenscholl.

Bertel Thorwaldsen (1770—1844), dem München sein schönstes Reiterdenkmal verdankt, das Monument des Kurfürsten Maximilian I. auf dem Wittelsbacherplatz, kam auf dem Wege von Rom in seine dänische Heimat nach München. Das ihm zu Ehren gegebene Fest fand auf dem Knorrbräukeller, nächst dem Marsfeld, statt.