Fleischervilla
| Straße / Hausnr. | Ismaninger Straße 109 (81675 München) |
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| Stadtteil | 13. Bogenhausen – Bogenhausen |
Volltext / Weitere Informationen
Das Fleischer-Schlößchen ist nach dem am 21. Mai 1850 in Breslau geborenen "Bildnis- und Historienmaler"
und Königlichen Professor Ernst Philipp Fleischer benannt.
Fleischer lebte nach zahlreichen Auslandsreisen ab 1890 auf Dauer in München. Trotz umfangreicher malerischer Aktivitäten hat sich Fleischer in seiner Zeit vor allem durch die Entwicklung einer neuen Farbentechnik einen Namen gemacht. Die nach ihm benannten Malfarben haben aus Fleischer in Kürze einen wohlhabenden Mann gemacht.
Wie seine berühmten Künstlerkollegen wollte auch Fleischer ein repräsentatives Künstlerhaus errichten, das allerdings die Kaulbach- und auch die Lenbachvilla noch übertreffen sollte. 1909 begann das Münchner Bauuntemehmen Heilmann und Littmann, das auch die Stuck-Villa errichtet hatte, mit dem Bau des Fleischer-Schlößchens Als Vorbild dienten barocke Schloßbauten, wie das Obere Belvedere in Wien sowie die Schlösser von Mannheim und Rastatt. Bereits 1910 mußte der Bau wegen Geldschwierigkeiten des Bauherrn eingestellt werden. In den folgenden Jahren scheiterten mehrere Versuche, das Gebäude einer sinnvollen Verwendung (Museum, Bildergalerie, Bürogebäude einer Versicherung, Krankenanstalt) zuzuführen. 1913 ersteigerte eine eigens zum Erwerb des Fleischer-Areals gegründete Bogenhauser Grundverwertungsgesellschaft das Grundstück. Schließlich sollte das Gebäude abgerissen und das Gelände in 30 Villenbauplätze aufgeteilt werden.
Zwischenzeitlich war das Gesetz zur Errichtung des Reichsfinanzhofs vom 26. Juli 1918 in Kraft getreten. Die Wahl des Gerichtssitzes fiel -bei mehreren Bewerbern- auf München. Die Reichsfinanzverwaltung erwarb daraufhin den ehemaligen Fleischerschen Grundbesitz und ließ das Gebäude durch die Reichsbauverwaltung nach den Plänen des Ministerialrats a.D. D. v. Perignon um- und ausbauen. Seit 1924 werden in diesem Gebäude höchstrichterliche Entscheidungen im Steuer- und Zollrecht getroffen zunächst durch die Richter des Reichsfinanzhofs (bis 1945), anschließend des Obersten Finanzgerichtshofs (1945 bis 1950) und fortan des Bundesfinanzhofs.
Aus Gründen der Sparsamkeit wurde im Gebäudeinneren auf aufwendige Materialien verzichtet. Zu erwähnen sind allerdings der -inzwischen ersetzte- Personenaüfzug. der aus dem ehemals königlichen Schloß zu Münster stammte. Ebenfalls aus finanziellen Gründen wurde auf die Mitwirkung von Kunstmalern und Bildhauern verzichtet. Lediglich im (jetzt oberen) Sitzungssaal wurden später in Nischen Marmorvasen nach den Entwürfen von Professor Julius Seidler aufgestellt; schließlich wurde die -heute nicht mehr vorhandene- Kegelbahn von dem Dekorationsmaler Georg Fuchs ausgemalt. Neben den Amtsräumen enthielt das Gebäude -bis 1955- u.a. eine Dienstwohnung für den Präsidenten des Gerichts.
Im Krieg blieb das Gebäude weitgehend unbeschädigt. Lediglich der Nordwest-Turm wurde im Juni 1944 durch eine Sprengbombe zerstört; der Schaden konnte aber bereits 1949 behoben werden.
In den Jahren 1972 und 1973 wurde der frühere holzvertäfelte Lesesaal der Bibliothek im I. Stock zu einem weiteren Sitzungssaal für mündliche Verhandlungen umgebaut. Die Bibliothek ist seither in einem neuerrichteten erdgeschossigen Anbau zum Hauptgebäude untergebracht. Im Zuge dieses Anbaus wurden weitere Modemisierungsmaßnahmen vorgenommen, so etwa die Jugendstilgeländer vor dem Zugang der Turmzimmer ersetzt. Erhalten blieben die Stuckdecke im Treppenhaus und der Jugendstillüster
1980 wurde das Gebäude in die bayerische Denkmalliste aufgenommen.
In den Jahren 1992 bis 1995 wurde ein mit der Rückseite des Hauptgebäudes verbundener, eigenständiger, auf Stahlstützen aufgehängter Erweiterungsbau errichtet (Gesamtprojektleitung: Staatl. Hochbauamt München II). Das Herzstück des Erweiterungsbaus ist der über zwei Geschosse reichende Lichthof mit Bildern des Pollinger Künstlers Bernd Zimmer.
Die Gemälde im Gebäude sind vielfach Leihgaben der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Das älteste davon ist ein von einem unbekannten deutschen Künstler Mitte des 16. Jahrhunderts gemaltes Portrait des Erzherzogs Ferdinand, des Sohnes von König Ferdinand I von Böhmen und Ungarn.
Quelle- Klaus Ebling, Kunst im Bundesfinanzhof in Festschrift 75 Jahre Reichsfinanzhof - Bundesfinanzhof
Baudenkmäler
| Name | Straße | Stadtteil |
|---|---|---|
| Monumentalbau mit Ecktürmen (Heilmann und Littmann) | Ismaninger Straße 109 | 13. Bogenhausen – Altbogenhausen |
Verwandte Begriffe
Bundesfinanzhof Fleischervilla