Wilhelm von Ockham: Gelehrter, Streiter, Bettelmönch

Beschreibung

Der Franziskaner Wilhelm von Ockham (ca. 1285 1347) gehört zu den bedeutendsten Denkern des Mittelalters. Volker Leppin entfaltet sein Leben und Werk, indem er es konsequent in sein historisches Umfeld einordnet. So bietet er eine allgemein verständliche und lebendige Gesamtschau von Ockhams Ideenwelt und Wirken.Drei sehr unterschiedliche Stationen prägten den Lebensweg Wilhelms von Ockham, der als einer der faszinierendsten Denker des Mittelalters gilt: seine Lehrtätigkeit als Theologe in Oxford, der Häresieprozess am päpstlichen Hof in Avignon und - nach seiner Flucht - seine fast zwanzigjährige Stellung als Berater Kaiser Ludwigs des Bayern. Volker Leppin erschließt Ockhams Biographie, indem er sie aus der inneren Entwicklung seiner theologischen, philosophischen und politischen Schriften rekonstruiert. Zugleich bettet er Ockham stets in die ihn bestimmenden sozialen und politischen Zusammenhänge Universität, Kurie und Kaiserhof ein. Dadurch gelingt es ihm nicht nur, Ockhams oftmals abstrakte Ideensysteme allgemein verständlich darzustellen und gängige Deutungsmuster zu korrigieren, sondern auch ein lebendiges Bild von den geistigen Auseinandersetzungen im 14. Jahrhundert zu zeichnen.

Einleitung

I. Anfänge

  1. Die Herkunft
  2. Ein minderer Bruder
  3. Eintritt in die Klerikerlaufbahn

II. Akademischer Aufstieg

  1. Die Universität Oxford
  2. Das Pariser Erbe: die Lehrverurteilung von 1277
  3. Der prägende Denker: Duns Scotus
  4. Ockhams Studiengang
  5. Die Sentenzenvorlesung in Oxford

II. Das Programm des Sentenzenkommentars - eine Apologie der Theologie

  1. Die Streitigkeiten zwischen der Universität Oxford und den Bettelorden
  2. Ockhams Lösungsvorschlag
    a) Der kritisierte Aristoteles: Theologie als Wissenschaft jenseits der Ansprüche der Philosophie
    b) Das neue Bild von der Universität: die Rolle der Logik
  3. Die Theologie an den Grenzen der Philosophie: die Gotteslehre und das Universalienproblem
  4. Theologisch-philosophische Testfälle
    a) Der Beweis Gottes
    b) Logik und Trinität
    c) Die Eucharistie: das permanente Wunder?
    d) Vorherwissen und Prädestination als philosophisches Problem​

IV. Ein neuer akademischer Kontext: Lehrtätigkeit in London

  1. Ockhams Londoner Aufenthalt 
  2. Die neue Lehrtätigkeit: der Apologet der Theologie als Lehrer der Philosophie
  3. Der Höhepunkt der Londoner Phase: die Summe der Logik​

V. Konfliktlinien

  1. Ein gefährlicher Feind: der Kanzler Luttereil
  2. Zwischenspiel: Vorladung durch die Franziskaner
  3. Ein Rettungsversuch: die Abendmahlstraktate
  4. Die unabgeschlossene Promotion​

VI. Ein neuer Schauplatz: Avignon

  1. Das päpstliche Avignon
  2. Ockhams Prozess: ein Musterbeispiel an Akribie
  3. Die virtuelle Universität
    a) Die Quodlibeta: Zeit und Ort ihrer Entstehung
    b) Die Entfaltung der potentia-Lehre
    c) Das Heil des Menschen
  4. Wahrnehmungen und Fehlwahrnehmungen in Avignon
    a) Johannes XXII.: Ockham und die Olivi-Verurteilung
    b) Meister Eckhart, der unverstandene Gefährte auf der Anklagebank
    c) Die Franziskaner und der Armutsstreit
  5. Die Flucht

VII. Von Avignon nach München

  1. Ludwig der Bayer und der Kampf gegen den Papst
  2. Das Franziskanerkloster in München: ein Intellektuellenzentrum im Schatten der Residenz

VIII. Neue Themen im Dienst des Kaisers

  1. Armut und Reichtum
    a) Das „Opus Nonaginta dierum"
    b) Begriffsklärungen
    c) Die franziskanische Option
    d) Schöpfungstheologische Begründungen
  2. Neue Gewissheit im Kampf gegen die Kirche
    a) Vom Armutsstreit zum visio-Streit
    b) Der Brief an die Franziskaner
    c) Elia, Johannes und die Prophetie
    d) Ein neuer Papst und alte Probleme: Benedikt XII.
  3. Noch einmal: die virtuelle Universität
    a) Der Dialogus
    b) Späte Logik-Traktate der „politischen" Zeit
  4. Weltliche Mächte und der Papst
    a) „Dialogus III" und „Breviloquium": die naturrechtliche Legitimation weltlicher Macht
    b) Rückblick in die Heimat: „An princeps ..."
    ​c) Das Maultasch-Gutachten: konsistente Theorie oder taktische Anpassung?

IX. Letzte Lebensjahre

X. Wirkungen

  1. Ockhams Wirkung in der Spätscholastik
  2. Ockham als Hilfe im Streit um den Konziliarismus
  3. Anknüpfung und Kritik in der Reformation
  4. Die Ockham-Renaissance in der modernen Philosophie
  5. Ockhambilder in der Forschung
    a) Der Ketzer
    b) Der harmlose Franziskaner
    c) Im Schatten der Reformation
    d) Der Sozialphilosoph
    e) Der Moderne im Mittelalter

Quellen- und Literaturverzeichnis

  1. Quellen
  2. Literatur
    a) zu Ockham
    ​b) zum Umfeld

Register

  1. Personen
  2. Sachen