Stadtportal zur Münchner Stadtgeschichte
Der aus den Niederlanden stammende Hofbildhauer Hubert Gerhard vollendet die über zwei Meter hohe bronzene Mondsichelmadonna. Die ursprünglich feuervergoldete Figur gilt als eines der bedeutendsten Werke der Spätrenaissance in Bayern. Sie war zunächst für ein Grabmal Herzog Wilhelms V. vorgesehen und wurde später zum Mittelpunkt der Mariensäule.
Die von Hubert Gerhard geschaffene Marienfigur wird auf dem Hochaltar der Münchner Frauenkirche aufgestellt. Damit gehört sie bereits zu den wichtigsten religiösen Kunstwerken der Stadt, lange bevor sie ihren Platz auf der Mariensäule erhält.
Im Dreißigjährigen Krieg marschieren die Truppen des schwedischen Königs Gustav Adolf in München ein. Kurfürst Maximilian I. muss die Stadt verlassen. In dieser existenziellen Bedrohungslage legt er vermutlich das Gelübde ab, bei Bewahrung Münchens und Landshuts ein öffentliches Denkmal zu Ehren der Gottesmutter Maria errichten zu lassen.
Nach dem Abzug der Schweden und der Rückkehr des Kurfürsten beginnen die konkreten Planungen. Geistliche und Berater diskutieren, wie das Gelübde erfüllt werden soll. Zunächst werden Gottesdienste, Stiftungen und Prozessionen erwogen.
Der Geheime Rat beschließt die Errichtung eines dauerhaften Denkmals im Herzen der Stadt. Maximilian I. entscheidet sich bewusst gegen eine rein kirchliche Stiftung und für ein weithin sichtbares Monument auf dem zentralen Marktplatz.
Maximilian I. teilt dem Münchner Rat mit, dass auf dem Schrannenplatz eine Mariensäule errichtet werden soll. Die Entscheidung erfolgt ohne Zustimmung der Stadt, obwohl München seit 1315 das Recht besitzt, über die Bebauung des Platzes selbst zu bestimmen.
Nur zwei Tage nach der Ankündigung beginnen die Arbeiten am Fundament und am Unterbau der künftigen Mariensäule.
Der Freisinger Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh weiht die Mariensäule auf dem Schrannenplatz. Sie ist die erste freistehende Mariensäule nördlich der Alpen. Die Weihe erfolgt bewusst am Jahrestag der Schlacht am Weißen Berg von 1620, dem wichtigsten Sieg Maximilians I. im Dreißigjährigen Krieg.
In die Krone der Madonna werden Reliquien eingelassen, darunter ein Dorn aus der Dornenkrone Christi.
Die Mariensäule entwickelt sich rasch zu einem religiösen Mittelpunkt Münchens. Litaneien, Gebete und musikalische Andachten ziehen zahlreiche Gläubige an. Balustrade und Laternen werden ergänzt, um die neue Kultstätte aufzuwerten.
Die vier bronzenen Putti werden auf dem Sockel der Säule angebracht. Sie bekämpfen Schlange, Basilisk, Löwe und Drachen und symbolisieren nach damaligem Verständnis den Triumph der katholischen Kirche über ihre Gegner.
Erst mit diesen Figuren erhält die Mariensäule ihr bis heute bekanntes Erscheinungsbild.
Der Kaiser lernt die Mariensäule kennen und übernimmt wesentliche Elemente für die spätere Entwicklung der Marienverehrung in den österreichischen Erblanden.
Nach dem Vorbild Münchens entsteht in Wien eine eigene Mariensäule. Damit beginnt der europaweite Siegeszug dieses Denkmaltyps.
Auch die Prager Mariensäule orientiert sich an der Münchner Anlage. Die Mariensäule wird damit zum Ausgangspunkt zahlreicher Marienmonumente in Mitteleuropa.
Budgetiert von einer schweren Choleraepidemie versammeln sich rund 25.000 Menschen am Marienplatz, um gemeinsam um das Ende der Krankheit zu beten.
Nach dem Abklingen der Epidemie findet an der festlich geschmückten Mariensäule ein großer Dankgottesdienst statt.
Kardinal Michael von Faulhaber weiht die Mariensäule nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs erneut ein. Sie wird zu einem Symbol des Wiederaufbaus und der Hoffnung.
Die Mariensäule muss wegen der Bauarbeiten für die neue Münchner U- und S-Bahn abgetragen werden. Dabei zerbricht der historische Säulenschaft.
Nach Abschluss der Bauarbeiten wird die Mariensäule auf leicht verändertem Standort wiedererrichtet und durch Kardinal Julius Döpfner feierlich eingeweiht.
Die Marienfigur erhält ihre heutige Ölvergoldung und erscheint seitdem wieder in leuchtendem Goldglanz.
Die stark verwitterten Originalputti werden restauriert. Zwischen 1994 und 1998 ersetzt man sie durch Abgüsse. Die Originale befinden sich heute im Münchner Stadtmuseum.
Michael Schattenhofer — Ein Standardwerk zur Baugeschichte, Ikonographie und Restaurierungsgeschichte des zentralen Münchner Denkmals.