Mariensäule - Fakten / Chronik

1593

Hubert Gerhard schafft die Mondsichelmadonna

Der aus den Niederlanden stammende Hofbildhauer Hubert Gerhard vollendet die über zwei Meter hohe bronzene Mondsichelmadonna. Die ursprünglich feuervergoldete Figur gilt als eines der bedeutendsten Werke der Spätrenaissance in Bayern. Sie war zunächst für ein Grabmal Herzog Wilhelms V. vorgesehen und wurde später zum Mittelpunkt der Mariensäule.

1607–1620

Die Madonna auf dem Hochaltar der Frauenkirche

Die von Hubert Gerhard geschaffene Marienfigur wird auf dem Hochaltar der Münchner Frauenkirche aufgestellt. Damit gehört sie bereits zu den wichtigsten religiösen Kunstwerken der Stadt, lange bevor sie ihren Platz auf der Mariensäule erhält.

Mai 1632

Schwedische Besetzung Münchens

Im Dreißigjährigen Krieg marschieren die Truppen des schwedischen Königs Gustav Adolf in München ein. Kurfürst Maximilian I. muss die Stadt verlassen. In dieser existenziellen Bedrohungslage legt er vermutlich das Gelübde ab, bei Bewahrung Münchens und Landshuts ein öffentliches Denkmal zu Ehren der Gottesmutter Maria errichten zu lassen.

15. Juni 1635

Beginn der Beratungen über das Gelübde

Nach dem Abzug der Schweden und der Rückkehr des Kurfürsten beginnen die konkreten Planungen. Geistliche und Berater diskutieren, wie das Gelübde erfüllt werden soll. Zunächst werden Gottesdienste, Stiftungen und Prozessionen erwogen.

11. September 1635

Entscheidung für ein öffentliches Monument

Der Geheime Rat beschließt die Errichtung eines dauerhaften Denkmals im Herzen der Stadt. Maximilian I. entscheidet sich bewusst gegen eine rein kirchliche Stiftung und für ein weithin sichtbares Monument auf dem zentralen Marktplatz.

12. Dezember 1637

Ankündigung des Baus der Mariensäule

Maximilian I. teilt dem Münchner Rat mit, dass auf dem Schrannenplatz eine Mariensäule errichtet werden soll. Die Entscheidung erfolgt ohne Zustimmung der Stadt, obwohl München seit 1315 das Recht besitzt, über die Bebauung des Platzes selbst zu bestimmen.

14. Dezember 1637

Beginn der Bauarbeiten

Nur zwei Tage nach der Ankündigung beginnen die Arbeiten am Fundament und am Unterbau der künftigen Mariensäule.

7. November 1638

Feierliche Weihe der Mariensäule

Der Freisinger Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh weiht die Mariensäule auf dem Schrannenplatz. Sie ist die erste freistehende Mariensäule nördlich der Alpen. Die Weihe erfolgt bewusst am Jahrestag der Schlacht am Weißen Berg von 1620, dem wichtigsten Sieg Maximilians I. im Dreißigjährigen Krieg.

In die Krone der Madonna werden Reliquien eingelassen, darunter ein Dorn aus der Dornenkrone Christi.

1639–1640

Entstehung eines neuen Marienkults

Die Mariensäule entwickelt sich rasch zu einem religiösen Mittelpunkt Münchens. Litaneien, Gebete und musikalische Andachten ziehen zahlreiche Gläubige an. Balustrade und Laternen werden ergänzt, um die neue Kultstätte aufzuwerten.

10. Mai 1641

Aufstellung der vier Heldenputti

Die vier bronzenen Putti werden auf dem Sockel der Säule angebracht. Sie bekämpfen Schlange, Basilisk, Löwe und Drachen und symbolisieren nach damaligem Verständnis den Triumph der katholischen Kirche über ihre Gegner.

Erst mit diesen Figuren erhält die Mariensäule ihr bis heute bekanntes Erscheinungsbild.

1641

Kaiser Ferdinand III. besucht München

Der Kaiser lernt die Mariensäule kennen und übernimmt wesentliche Elemente für die spätere Entwicklung der Marienverehrung in den österreichischen Erblanden.

1647

Vorbild für die Wiener Mariensäule

Nach dem Vorbild Münchens entsteht in Wien eine eigene Mariensäule. Damit beginnt der europaweite Siegeszug dieses Denkmaltyps.

1652

Vorbild für die Prager Mariensäule

Auch die Prager Mariensäule orientiert sich an der Münchner Anlage. Die Mariensäule wird damit zum Ausgangspunkt zahlreicher Marienmonumente in Mitteleuropa.

28. August 1854

Cholera-Bittgottesdienst

Budgetiert von einer schweren Choleraepidemie versammeln sich rund 25.000 Menschen am Marienplatz, um gemeinsam um das Ende der Krankheit zu beten.

3. Oktober 1854

Dankgottesdienst nach dem Ende der Cholera

Nach dem Abklingen der Epidemie findet an der festlich geschmückten Mariensäule ein großer Dankgottesdienst statt.

8. November 1945

Neuweihe nach dem Zweiten Weltkrieg

Kardinal Michael von Faulhaber weiht die Mariensäule nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs erneut ein. Sie wird zu einem Symbol des Wiederaufbaus und der Hoffnung.

1967

Abbau für den Bau der U- und S-Bahn

Die Mariensäule muss wegen der Bauarbeiten für die neue Münchner U- und S-Bahn abgetragen werden. Dabei zerbricht der historische Säulenschaft.

8. Dezember 1970

Wiederaufstellung der Mariensäule

Nach Abschluss der Bauarbeiten wird die Mariensäule auf leicht verändertem Standort wiedererrichtet und durch Kardinal Julius Döpfner feierlich eingeweiht.

1984

Neue Vergoldung der Madonna

Die Marienfigur erhält ihre heutige Ölvergoldung und erscheint seitdem wieder in leuchtendem Goldglanz.

1991–1998

Restaurierung und Schutz der Originalputti

Die stark verwitterten Originalputti werden restauriert. Zwischen 1994 und 1998 ersetzt man sie durch Abgüsse. Die Originale befinden sich heute im Münchner Stadtmuseum.

Literatur

Schattenhofer Michael - Die Mariensäule in München
Die Mariensäule in München

Michael Schattenhofer — Ein Standardwerk zur Baugeschichte, Ikonographie und Restaurierungsgeschichte des zentralen Münchner Denkmals.

Quellen

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