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Bei Harlaching an der Isar

Wolf - Ein Jahrhundert München (Seite 148)

Ein luftiger Lüge! gewährt hier die Ansicht der steinernen Hauptstadt, Wie sie in des Kimmels Blau schneidet der Käufer Kontur, And weithin die Ebene decket mit ragenden Türmen und Giebeln, Durch Pappelalleengebüsch südlich und westlich begrenzt. Es dränget sich zu dem Riesengebäude des herrlichen Domes Der Käufer steinerne Last, tausendmal wechselnd die Form. Es hat die neueste Zeit viel Großes und Schönes geleistet. Doch nur das Theater allein hat sie zur Köhe gebracht. Auf dieser fteundlichen Köhe huldigte Lorrain der Muse, Er baute ein niedliches Schloß, weihte dasselbe der Kunst And sammelte Bilder im Tale an dem chaotischen Flußbett, Das launig seine Gestalt ändert, wie Nebel die Luft. Auch Balde, der zarte Sänger, des Ruhm das Ausland verewigt. Erhob hier dankbar zu Gott seiner Begeisterung Lied.

J. Suttner in seinen „Vermischten Schriften" (1828). 

„Das Theater hat sie zur Höhe gebracht" — das ist ganz wörtlich aufzufaffen; das niedergebrannte und von Leo von Klenze wieder aufgebaute Hoftheater ist einer der wenigen neuen Bauten, die damals, ehe Ludwigs I. große Bauten emporstiegen, für die Silhouette des Stadtbildes bestimmende Geltung gewannen. Claude Gellöe, genannt Lorrain (1600—1682), soll einmal in dem Harlachinger Schlößchen gewohnt haben; indessen ist das Schlößchen erst nach 1700 erbaut, und die Geschichte weist einen längeren Aufenthalt deö berühmten Malers in Harlaching in das Reich der Fabel. 

Der Jesuit Balde (1604—1668) aus Ensisheim im Elsaß war als Dichter ftommer neulateinischer Gesänge von gediegenem Anhalt und erstaunlicher Formgewandtheit nicht ohne Bedeutung.