Stadtportal zur Münchner Stadtgeschichte
München-Schwabing * Der USPD- und Fraktionsvorsitzende im bayerischen Landtag Karl Gareis wird nach einem Vortrag im Mathäserbräu zum Thema „Säkularisierung der Schule“ vor seinem Wohnort in der Freystraße 1 in Schwabing von einem unbekannten Täter aus dem Hinterhalt erschossen. Als verantwortlich für diesen Mord gilt die rechtsextreme „Organisation Consul“. Es ist ein sogenannter „Fememord“.
Schwabing * Die erste elektrische Straßenbahn Münchens und die dritte auf der Welt verbindet - ab dem 1. Juli 1886 bis zum Juni 1895 - die Endstation der Pferdebahn in Schwabing mit dem circa 750 Meter entfernten Ungererbad.
Der Ingenieur und Besitzer des Schwabinger Würmbades, August Ungerer, errichtet und finanziert die Bahn auf eigene Kosten. Da das Ungererbad damals weit außerhalb der Stadt liegt, errichtet der Badbetreiber die Zubringer-Straßenbahn als Kundenservice für seine Badegäste. Die Bahn befördert pro Jahr rund 150.000 Fahrgäste.
München-Schwabing * Samstag. Wieder versammeln sich bis zu 10.000 Protestierer auf der Leopoldstraße und erstellen Straßenblockaden. Mit Feuerwerkskörpern versuchen sie die Pferde der berittenen Polizei scheu zu machen. Flaschen und Steine fliegen in Richtung der Polizei. Dabei werden drei Beamte verletzt.
Bei einer regelrechten Straßenschlacht, bei der die Polizei vom massiven Schlagstockeinsatz gebrauch macht, werden 14 Randalierer schwer verletzt. Der Student Georg Friz schwebt nach einem Leberriss in Lebensgefahr. Nach Ansicht von Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel haben an diesem Samstag weniger die Studenten als „vor allem der Pöbel aller Stadtviertel“ in Schwabing ihr Unwesen getrieben.
Laut Polizeibericht kommen über 150 Polizisten zum Einsatz. 16 Protestierer werden festgenommen und neun nachträglich zur Anzeige gebracht.
München-Schwabing * Sonntag. Die Proteste der Schwabinger Krawalle lassen zwar nach, doch Pressebeobachter zählen immer noch 3.000 Teilnehmer. Sogar Studentengruppen wenden sich nun gegen die Fortsetzung des Protests. Wieder beginnen die Straßenblockaden. Es kommt zu den „härtesten Auseinandersetzungen“, die sich auch an der besonders hohen Zahl von Festnahmen ablesen lässt.
Man schiebt die Gewalttätigkeit der Halbstarken-Szene zu. Doch spätere Untersuchungen können diese Mutmaßung nicht bestätigen. Der Anteil der Studenten an den Protestveranstaltungen hat sich gegenüber dem Vortag prozentual sogar erhöht. Laut Polizeibericht kommen über 450 Polizisten zum Einsatz, die 85 Protestierer festnehmen und 13 nachträglich zur Anzeige bringen.
München-Schwabing * Der nächste Polizeieinsatz, der letztlich zu den Schwabinger Krawallen führen wird, erfolgt am Wedekindplatz. Am späten Abend schreiten die Ordnungshüter gegen eine Gruppe Gitarristen und deren rund 150 Zuhörer ein, weil sie „ruhestörenden Lärm verursachten, indem sie musizierten, sangen, in die Hände klatschten, zum Teil auch tanzten und grundlos grölten“.
Weil die Beamten mit Pfeifen und Buhrufen empfangen werden, rufen sie umgehend das Kleine Überfallkommando herbei. Nach einer dreimaligen über Lautsprecher verbreiteten Aufforderung den Platz zu verlassen, räumen die Zuschauer - ohne nennenswerten Widerstand - den Wedekindplatz.
München-Schwabing * Montag. Rund 2.500 Protestierer versammeln sich an der Leopoldstraße. Mehrere hundert Jugendliche blockieren erneut den Verkehrauf dem Boulevard. Gegen 1 Uhr räumt die Polizei die Straße. Rund 200 Protestierer werden „eingekesselt“ und anschließend festgenommen, darunter auch der spätere RAF-Terrorist Andreas Baader. Damit enden die Schwabinger Krawalle. Laut Polizeibericht kommen an diesem Tag rund 360 Polizisten zum Einsatz. 35 Protestierer werden festgenommen, sieben nachträglich zur Anzeige gebracht. Darüber hinaus werden über 200 Anwesende zur Personalienfeststellung kurzfristig in Gewahrsam genommen.
Dass die Stadtpolizei an allen Tagen keine Wasserwerfer einsetzt, liegt an der in der Leopoldstraße verkehrenden Straßenbahn. Man hätte nämlich aus Sicherheitsgründen die Strom führenden Oberleitungen außer Betrieb nehmen müssen. Außerdem befürchtet man angesichts der sommerlichen Temperaturen, dass ein Wasserwerfer zur weiteren „Erheiterung“ der Protestierenden beigetragen hätte.
Fazit: Gegen 248 Personen werden Ermittlungen wegen der Beteiligung an den Schwabinger Krawallen aufgenommen. Darunter finden sich lediglich 13 Frauen. Fast drei Viertel der Verfahren werden eingestellt. 54 Angeklagte werden verurteilt; es gibt 13 Freisprüche. Das Durchschnittsalter der Verurteilten liegt bei 22 Jahren.
Von den jungen Berufstätigen werden auffällig viele verurteilt. Während aus dem akademischen Nachwuchs nur jeder Zehnte eine Strafe erhält, ist es bei den Nichtakademikern nahezu jeder Zweite. Es werden sechs Gefängnisstrafen zwischen drei und dreizehn Monaten ausgesprochen, wovon fünf auf Nichtakademikern fallen. Die Geldstrafen liegen zwischen 40 und 1.000 DMark. Die Jungakademiker kommen mit Geldbußen und Strafen auf Bewährung davon.
Gegen Angehörige der Stadtpolizei werden 143 Verfahren eröffnet. Lediglich 14 Polizisten werden aber mit Anklagen konfrontiert. Vier Ordnungshüter werden rechtskräftig verurteilt. Darunter ist nur ein Stadtpolizist, der an den Einsätzen vor Ort beteiligt war. Die drei Anderen sind als Aufseher in der Polizeihaftanstalt tätig.
Der Bezirksausschuss Schwabing-Freimann protestiert in einer Resolution gegen die Ausschreitungen, die das „Machwerk verantwortungsloser, ortsfremder Elemente“ gewesen sei und bedankt sich ausdrücklich bei der Münchner Polizei für das mutige und tatkräftige Einschreiten.
Schwabing * Erstmalige Nennung von Schwabing.
München-Schwabing * Zur besseren wirtschaftlichen Verwertung wird die 250 Tagwerk [= ~53.000 Quadratmeter] große Immobilie um das Schloss Biederstein von den wittelsbachischen Erben veräußert. Die Firma Heilmann & Littmann“erhält den Auftrag zum Verkauf.
<p><strong><em>Schwabing</em></strong> * Mit einem Vertrag überlässt der Geheime Rat und Kabinettssekretär Franz Xaver Ignaz von Wilhelm sein in Schwabing gelegenes Schloss Suresnes dem Kölner Kurfürsten Clemens August zur Nutzung. Dafür erhält Wilhelm das Nutzungsrecht am Schloss Ammerland am Starnberger See <em>„mit der Jagd, der Fischerei und der Gärtnerei“</em>. Die Eigentumsrechte und Unterhaltspflichten an beiden Schlössern bleiben durch diesen Vertrag unangetastet. </p> <p>Über die Hintergründe des Nutzungstausches gibt es keine Unterlagen. Die Vermutung ist naheliegend, dass der Kölner Fürstbischof eine verschwiegenes Absteigequartier nahe Münchens für seine amourösen Vergnügungen sucht. Der prachtliebende und den Freuden des Lebens sehr zugetane Fürst, der aufgrund seiner fünf Bistümer auch <em>„Monsieur de Cinq-Eglises“</em> genannt wird, ist bis zum Todesjahr des Geheimen Rats Franz Xaver Ignaz von Wilhelm, 1741, Hausherr auf Schloss Suresnes. </p>
München-Schwabing * Ernst Toller wird im Suresnes-Schlösschen in Schwabing verhaftet.
München-Schwabing * Freitag. Die Schwabinger Krawalle gehen weiter. Ab 21 Uhr laufen „unzählige junge Leute [...] immer weiter in die Fahrbahn hinein“ und blockieren damit die Leopoldstraße. Nach Beschwerdeanrufen trifft die Polizei ein.
Der Münchner Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel und der Polizeipräsident Manfred Schreiber sprechen mit den Protestierenden. Letztlich werden sie aber von den 10.000 Anwesenden niedergeschrieen und ausgepfiffen, weshalb es zur zweiten gewaltsamen Räumung der Leopoldstraße kommt.
Die Auseinandersetzungen dauern bis in die frühen Morgenstunden an. Laut Polizeibericht kommen über 100 Polizisten zum Einsatz, die 24 Protestierer festnehmen und vier weitere nachträglich zur Anzeige bringen.
München - München-Schwabing * Herzog Max Emanuel in Bayern stirbt im Alter von 43 Jahren. Schloss Biederstein erbt seine Gemahlin Amalie.
| Straße | Name | von | bis | ||
|---|---|---|---|---|---|
| 0.18 | Leopoldstraße 119 | Klages Ludwig | 1901 | 1909 | |
| 0.21 | Mainzer Straße 3 | Heß Rudolf | 1928 | 1929 | |
| 0.21 | Leopoldstraße 135 | Ende Michael | 1945 | 1961 | |
| 0.21 | Mottlstraße 6 | Kutscher Arthur | 1957 | 1960 | |
| 0.22 | Isoldenstraße 3 | Ehard Hans | |||
| 0.27 | Karl-Theodor-Straße 48 | Obrist Hermann | 1896 | 1927 | |
| 0.37 | Destouchesstraße 3 | Klages Ludwig | 1909 | 1909 | |
| 0.37 | Destouchesstraße 1 | Derleth Ludwig | |||
| 0.40 | Leopoldstraße 108 | Mann Heinrich | 1915 | 1915 | |
| 0.42 | Leopoldstraße 153 | Klages Ludwig | 1910 | 1918 | |
| 0.44 | Germaniastraße 5 | Heß Rudolf | 1919 | 1919 | |
| 0.45 | Fuchsstraße 2 | Kästner Erich | 1946 | 1953 | |
| 0.48 | Leopoldstraße 87 | Wolfskehl Karl | 1904 | 1909 | |
| 0.48 | Leopoldstraße 87 | George Stefan | 1904 | 1909 | |
| 0.52 | Ungererstraße 24 | Mann Thomas | 1902 | 1902 | |
| 0.53 | Siegfriedstraße 14 | Lenin Iljitsch Uljanow | 1901 | 1902 | |
| 0.54 | Clemensstraße 2 | Roda-Roda Alexander | 1906 | 1910 | |
| 0.57 | Viktoriastraße 11 | Falkenberg Otto | 1916 | 1937 | |
| 0.58 | Bismarkstraße 5 | Reventlow Franziska zu | |||
| 0.60 | Dietlindenstraße 1 | Reventlow Franziska zu | |||
| 0.61 | Herzogstraße 28 | Reventlow Franziska zu | |||
| 0.62 | Leopoldstraße 77 | Dülfer Martin | 1900 | 1906 | |
| 0.62 | Leopoldstraße 77 | Bonsels Waldemar | 1906 | 1918 | |
| 0.62 | Antonienstraße 7 | Jüdisches Kinderheim | 1926 | 1942 | |
| 0.62 | Herzogstraße 18 | Huch Friedrich | |||
| 0.62 | Leopoldstraße 77 | Prell Bally | 1922 | 1982 | |
| 0.63 | Dietlindenstraße 14 | Heimeran Ernst | |||
| 0.65 | Herzogstraße 7 | Reventlow Franziska zu | 1907 | 1908 | |
| 0.66 | Leopoldstraße 71 | Thoma Ludwig | 1905 | 1907 | |
| 0.67 | Herzogstraße 52 | Reventlow Franziska zu | |||
| 0.68 | Wilhelmstraße 28 | Bleeker Bernhard | 1906 | 1907 | |
| 0.72 | Belgradstraße 86 | Reventlow Franziska zu | |||
| 0.72 | Herzogstraße 1 | Reventlow Franziska zu | 1902 | 1902 | |
| 0.73 | Helmtrudenstraße 5 | Reventlow Franziska zu | 1908 | 1909 | |
| 0.73 | Helmtrudenstraße 5 | Kutscher Artur | 1913 | 1916 | |
| 0.75 | Leopoldstraße 59 | Mann Heinrich | 1914 | 1928 | |
| 0.75 | Pündterplatz 1 | Oehl Erwin | 1931 | ||
| 0.76 | Marktstraße 5 | Mann Thomas | 1898 | ||
| 0.77 | Feilitzschstraße 3 | Klee Paul | 1908 | 1919 | |
| 0.77 | Herzogstraße 55 | Brachvogel Carry | 1910 | 1942 | |
| 0.79 | Kunigundenstraße 51 | Guardini Romano | |||
| 0.81 | Viktor-Scheffel-Straße 10 | Hausenstein Wilhelm | 1910 | 1911 | |
| 0.81 | Viktor-Scheffel-Straße 10 | Reger Max | 1907 | 1907 | |
| 0.84 | Leopoldstraße 51 | Wolfskehl Karl | 1900 | 1904 | |
| 0.84 | Occamstraße 1 | Martov Julij | |||
| 0.86 | Leopoldstraße 51 | George Stefan | 1900 | 1903 | |
| 0.86 | Friedrichstraße 34 | Langheinrich Max | |||
| 0.86 | Friedrichstraße 34 | Hoffmann Heinrich | 1945 | ||
| 0.86 | Kaiserstraße 46 | Lenin Iljitsch Uljanow | 1900 | 1901 | |
| 0.87 | Belgradstraße 16 | Ball Hugo | |||
| 0.91 | Clemensstraße 76 | Fassbinder Rainer Werner | 1978 | 1982 | |
| 0.91 | Hohenzollernstraße 12 | Bonsels Waldemar | |||
| 0.92 | Werneckstraße 24 | Klee Paul | |||
| 0.92 | Werneckstraße 24 | Toller Ernst | |||
| 0.93 | Kaiserstraße 54 | Althaus Peter Paul | 1937 | 1939 | |
| 0.93 | Hohenzollernstraße 21 | Obrist Hermann | |||
| 0.93 | Hohenzollernstraße 21 | Münter Gabriele | |||
| 0.94 | Leopoldstraße 41 | Reventlow Franziska zu | 1910 | 1910 | |
| 0.94 | Hohenzollernstraße 23 | Pieper Reinhard | |||
| 0.95 | Hohenzollernstraße 56 | May Karl | |||
| 0.96 | Fendstraße 6 | Ullmann Regina | 1902 | 1923 | |
| 0.96 | Hohenzollernstraße 31 | Ringelnatz Joachim | 1920 | 1930 | |
| 0.97 | Hohenzollernstraße 5 | Reventlow Franziska zu | 1898 | 1899 | |
| 0.98 | Wilhelmstraße 9 | C. H. Beck Verlag | 1944 | ||
| 0.99 | Clemensstraße 84 | Traven B. | 1915 | 1919 |